
Dürre, Hagel, Spätfrost: Die Folgen des Klimawandels werden immer spürbarer, erzählt Obstbauer Markus Unger bei einem Besuch des KURIER in seinem Betrieb. Seit 2009 baut er im steirischen St. Ruprecht Heidelbeeren an. Hagelnetze und ein Bewässerungssystem habe der Landwirt schon damals gebraucht. 2012 sei dann der erste Spätfrost gekommen und seither immer wieder.
Mittlerweile hat Unger ein System zur Frostberegnung installiert, das die Pflanzen von oben bewässert. Das Wasser gefriert und bildet Wärme. Dafür müssen die Sträucher kontinuierlich begossen werden, bis die Frostgefahr vorüber ist. Im heurigen Frühling musste Unger die Beregnung fünf Mal einschalten. „Ansonsten hätte es enorme Schäden gegeben“, sagt er.
500 Millionen Euro Schaden im Obstbau seit 2015
Dass Spätfrost immer mehr zum Problem wird, liegt am immer früheren Vegetationsstart, bestätigt Josef Kurz, der steirische Landesdirektor der Österreichischen Hagelversicherung (ÖHV). Obstbäume, wie etwa der Apfel, würden heute rund 12 Tage früher austreiben als noch in den 1990er-Jahren und sind damit häufiger frostigen Temperaturen ausgesetzt. „Die Existenz eines Betriebs steht bei Frost innerhalb von ein paar Stunden auf dem Spiel“, sagt Kurz. 500 Millionen Euro betrug der Schaden im Obstbau seit 2015. Die Trockenheit im heurigen März und April – jeweils der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen – verursachte ebenfalls Ausfälle in Millionenhöhe.
Auch Johannes Oberer aus Markt Hartmannsdorf bereitet der Spätfrost Sorgen. „Er hat uns heuer einige schlaflose Nächte bereitet“, sagt der Gemüsebauer. Fallen die Temperaturen in den Minusbereich, muss er die Folientunnel, in denen seine Ochsenherztomaten wachsen, beheizen.
Neben dem Klimawandel ist auch die Personalsituation jedes Jahr vor Saisonbeginn Thema. Seit Jahren beschäftigt Oberer rumänische Erntehelfer. Vor drei Jahren kamen das erste Mal auch Arbeitskräfte aus Nepal und Sri Lanka dazu – und sie kommen seither jedes Jahr wieder. Vermittelt werden sie durch einen Bekannten aus Ramsau, erzählt Oberer. Die Männer leben kostenlos in Wohncontainern, um ihre Verpflegung müssen sie sich selbst kümmern. Die Zusammenarbeit funktioniere gut, kommuniziert wird auf Englisch.
„Asiatische Erntehelfer reisen nicht einfach so ab“
Sechs bis neun Monate lang bleiben die Saisonniers aus den EU-Drittstaaten am Betrieb. Bei einer kürzeren Beschäftigungsdauer würden sich der aufwendige Bewilligungsprozess und die lange Anreise kaum auszahlen. Dass die Heimat der Arbeiter fern ist, bringt für Oberer auch Vorteile: „Asiatische Erntehelfer reisen nicht einfach so ab.“ In der Vergangenheit habe es Probleme mit rumänischen Arbeitern gegeben, die inmitten der Erntesaison plötzlich gekündigt haben und nach Hause zurückkehrten. Für den Landwirt eine Katastrophe. „Dann sind die Paradeiser rot und keiner kann sie ernten“, beklagt Oberer.
Ähnliches berichtet auch Franz Riegler. Er baut seit 30 Jahren Kirschen an und beschäftigt während der Ernte bis zu 50 Mitarbeiter – großteils aus Rumänien. Diese hätten in der Vergangenheit vereinzelt während der Ernte mit der Abreise gedroht, wenn sie keinen höheren Lohn erhalten. Dass man abhängig von ausländischen Arbeitskräften sei, bestätigt sein Sohn Matthias Riegler, der ebenfalls am Betrieb arbeitet. „Kein Österreicher steigt für das Gehalt bei 30 Grad auf die Leiter und pflückt Kirschen.“ Etwas mehr als elf Euro pro Stunde verdienen die Erntehelfer laut Kollektivvertrag in der Steiermark. Inklusive Lohnnebenkosten bezahlen die Bauern rund 19 Euro.
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Source:: Kurier.at – Wirtschaft



