TV-Manager Johannes Larcher: „Der ORF darf kein Elfenbeinturm sein“

Kultur

Warum bewirbt man sich für das vergleichsweise provinzielle Generaldirektoren-Amt im ORF, wenn man schon bei großen US-Medien wie Hulu und HBO Max Verantwortung getragen hat? Johannes Larchers Antwort: „Weil mir der ORF sehr am Herzen liegt.“ Schließlich habe er dort begonnen. Larcher startete seine Karriere als Produzent bei den „Kunst- Stücken“.

Das ist freilich lange her, dazwischen liegt eine internationale Medienmanager-Laufbahn, von Yahoo über Hulu bis zum arabischsprachigen Streamingdienst Shahid. Gerhard Zeiler holte ihn 2020 zu Warner Media, wo er sich als Head of HBO Max Global um die weltweite Verbreitung des Streamers gekümmert hat.

Transparenz „wird nicht jedem gefallen“

Larcher hat sein Konzept bereits öffentlich vorgelegt. Mehr von der US-Unternehmenskultur, die sich, wie man nicht zuletzt beim ORF kürzlich gemerkt hat, nach wie vor ganz gut von der salopperen österreichischen unterscheiden kann, geprägt sind denn auch Larchers Vorstellungen für einen ORF unter seiner Leitung. Eine „schnellere und ehrlichere Fehlerkultur“ strebt er an, eine anständige Compliance-Abteilung, Leistung soll bewertet und belohnt werden. Vierteljährlich soll der Haushaltsabgabenzahler informiert werden, was mit „seinem“ Geld geschieht. Transparenz sei wichtig und „wird nicht jedem gefallen.“

Apropos Geld: Larcher sieht Potenzial, jährlich 100 Millionen Euro einzusparen „ohne Sender oder Kanäle zu verlieren“. Personal, Programm und operatives Geschäft würden diese Einsparungen betreffen.

Aus seiner Arbeit aus Übersee bringt er neben Transformations- und „Verschlankungs“-Erfahrungen auch anderes hilfreiches Know-How mit, sagt er. „Es geht darum, sich das Publikum jeden Tag neu zu verdienen.“ Eine große Herausforderung sei es gewesen, 2021 mit HBO Max Latin zu starten: „Zu dem Zeitpunkt hatte Netflix schon 30 Millionen Kunden. Da war zu klären: Wie positioniere ich mich, welche Angebote, welche Preisgestaltung macht man, gibt es ein Only-Mobil-Produkt.“

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Vorbild BBC

Als „Contentmensch“ mit „digital geprägter DNA“ sieht sich Larcher auch geeignet, dem ORF eine Zielgruppe zurückzuholen: „ Es ist höchste Zeit, bevor wir die junge Generation komplett verlieren. Die Jungen müssen sich früh in den ORF ,verlieben’. Da darf ma sich nicht in einen Elfenbeinturm zurückziehen, die muss man dort abholen, wo sie sind. Auf YouTube und TikTok. Es gibt schon Beispiele von ARD, ZDF und BBC. Die BBC hat in England mehr Zuseher über YouTube. Für die Jungen ist YouTube ,Fernsehen.’“ Larcher will deshalb mit den globalen Giganten Partnerschaften eingehen: „Neue Talente entwickeln, die Monetarisierung selbst durchführen. Das habe ich schon gemacht, ich habe Beziehungen zu allen diesen Firmen.“

Neue Produkte und Vertriebskanäle braucht Larchers Meinung nach die ORF-Information, die er besonders betroffen von der „Vertrauenskrise“ in den ORF sieht und zudem im Kreuzfeuer neuer Technologien von KI bis Deepfake. Hier will er eine eigene Direktion etablieren.

Hoffen auf fairen Prozess

Auf die Frage, wie er seine Chancen als Kandidat, der keinem politischen Freundeskreis im Stiftungsrat angehört, einschätzt, betont Larcher erst recht seine Unabhängigkeit, die er in der aktuellen Vertrauenskrise des ORF als Vorteil sieht: „Ich bin keiner Ideologie verbunden, mir wurde von höchster Stelle bis zu den Stiftungsräten versichert dass die Auswahl ein fairer Prozess wird. Ich verlass mich darauf, dass das ORF-Gesetz und der European Media Freedom Act eingehalten werden.“ Wenn die Wahl aber über politische Agenden gehe, so Larcher, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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