Bahnverkehr: ÖBB rüsten sich für 40-Grad-Sommer

Wirtschaft

Wenn die Temperaturen in unseren Breiten die 40 Grad Celsius erreichen, leidet die Infrastruktur. Das gilt auch für Eisenbahnen. Die Gleise weiß zu streichen reicht nicht, es geht um laufende Beobachtung bis hin zu Eingreiftrupps, um Schäden rasch zu erkennen und zu beseitigen. Beim künftigen Verlegen von Gleisen ist die Hitze ebenso zu bedenken, so das deutsche Science Media Center, das auch österreichische Wissenschafter befragte. Die ÖBB setzen auf Prävention.

Bei der immensen Hitzewelle im Juni, in der die Thermometer mehr als 40 Grad zeigten, kam es sowohl in Österreich als auch in der Schweiz und in Deutschland zu Schienenverformungen. Allerdings zeigt der Bahnverkehr in Spanien, Griechenland, Italien, Marokko oder Ägypten, dass Bahnen auch bei höheren Temperaturen fahren können.

Schienen erhitzen sich auf bis zu 65 Grad Celsius

„Hitzewellen sind für Bahnnetze in Mitteleuropa ein relevantes Thema, allerdings nicht in dem Sinn, dass ab einer bestimmten Lufttemperatur das Fahren mit der Bahn generell kritisch wird. Entscheidend sind vielmehr die Temperatur und der Zustand der konkreten Anlage“, sagt Ferdinand Pospischil, Leiter des Instituts für Eisenbahn-Infrastrukturdesign, Technische Universität Graz, laut dem Science Media Center. „Schienen können sich bei direkter Sonneneinstrahlung ungefähr 20 Grad Celsius stärker erwärmen als die Umgebungsluft – abhängig unter anderem von Lage, Ausrichtung, Wind, Verschattung und Bauart. Bei Lufttemperaturen von 30, 35 oder 40 Grad können daher Schienentemperaturen von bis zu 60 Grad auftreten.“

Laut Harald Loy, Leiter des Lehrstuhls Eisenbahnwesen, Fakultät für Technische Wissenschaften von der Universität Innsbruck, gehen die Gleistemperaturen gar auf bis zu 65 Grad. „Jenseits von 40 Grad Lufttemperatur, und insbesondere bei älteren Oberbauformen, können an ungünstigen Standorten durch Materialausdehnung Gleisverdrückungen und Gleisverwerfungen drohen, bei denen sich die Schienen horizontal oder vertikal verformen“, so Loy laut Science Media Center. „Zudem kann es zu gerissenen Oberleitungen und großflächigen Ausfällen der Fahrzeug-Klimaanlagen kommen.“ 

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Die ÖBB und auch die Schweizer und deutschen Staatsbahnen SBB und DB würden beim Schienenbau technisch darauf reagieren, um die thermische Ausdehnung im Sommer zu minimieren.

ÖBB überwachen und investieren

Laut Pospischil nehmen die ÖBB das Thema sehr ernst. Er verweist auf ein ausgeprägtes Naturgefahrenmanagement. So verweisen die ÖBB gegenüber der APA auf laufende Investitionen in Maßnahmen zur Erhöhung der Hitzebeständigkeit des Schienennetzes, darunter moderne Baustoffe und kontinuierliche Überwachungssysteme. Die ÖBB betreiben ein eigenes Wetterwarnsystem mit 55 Wetterstationen, das zeitgerechte, streckenbezogene Wetterinformationen liefere. Hierzulande ist das auch im Winter sehr wichtig. Freilich ließen sich extreme Wetterereignisse nicht vollständig kompensieren.

Ein ÖBB-Sprecher betonte weiters, dass auf den Hochleistungsstrecken ausschließlich Betonschwellen verbaut würden, um Verwerfungen zu vermeiden. „Zusätzlich werden regelmäßig, auf Hochleistungsstrecken viermal jährlich, Messfahrten durchgeführt und präventiv Schwachstellen entfernt.“

Durch die Hitze werden nicht nur die Gleise, sondern auch die Oberleitungen stark beansprucht. „Daher setzen die ÖBB auf Komponenten, die den erhöhten Anforderungen – insbesondere durch hohe Temperaturen – standhalten.“ Das soll verhindern, dass es durch den Stromfluss zu einer Überhitzung über der zulässigen Maximaltemperatur kommt.

Schienen weiß anzustreichen ist wiederum laut dem Wissenschafter Pospischil nur eine kurzfristige Maßnahme. Loy betont hierzu, dass die Maßnahme durch Abrieb rasch an Wirkung verliere. Die Bahnen nehmen davon wieder Abstand.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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