
Gabriele Flossmann
In der Doku der in Los Angeles geborenen und in Wien lebenden Regisseurin Susanne Brandstätter fliegt eine Drohne – bewaffnet mit einer Kamera. Sie fliegt über zerstörte und gespenstisch leere Landschaften. Es sind aber keine Zeichen eines Krieges, der diese Verwüstung angerichtet haben könnte, sondern eine ökologische Katastrophe. Aus großer Höhe blickt man auf ausgedörrte Wüsten, vergiftete Meere und verrostete Fabriken hinab, dann schwenkt man nah heran für melancholische Streifzüge durch verlassene Einkaufszentren und zerfallende Geisterstädte.
Diese Montage aus trostlosen Bildern soll uns die dystopische Zukunft – oder fast schon Gegenwart – unseres Planeten vor Augen führen. Keine visuellen Tricks, keine KI-generierten Spezialeffekte – so versichert die Regisseurin, die den Film auch produziert hat -, wurden angewendet, um diesen entvölkerten Orten in dieses Sci-Fi-Horror-Szenario zu verwandeln. Es sind die verrottenden, weil nicht mehr gebrauchten Industriebauten der Gegenwart, die den Niedergang unserer Zivilisation illustrieren. Ganz ohne KI kommt der Film aber doch nicht aus, denn es ist ein mysteriöses Roboter-Wesen, das nach den Ursachen für das Aussterben ihrer menschlichen Vorgänger sucht.
Archivierte Interviews mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, aufgezeichnet vor der Katastrophe, sollen darüber Aufschluss geben. Angekündigt als postapokalyptische Science-Fiction-Dokumentation, basiert der Film auf der Idee, dass uns einmal aus der distanzierten Perspektive eines außerirdischen Besuchers oder möglicherweise einer intelligenten KI die Leviten gelesen werden, weil wir durch die katastrophale Kulmination von Klimawandel und Nahrungsmittelknappheit unseren Untergang vorprogrammiert haben.
Und warum der Film den Titel „Hungrig“ trägt? Weil er auch die Gefahren einer klimabedingten Nahrungsmittelkrise thematisiert. Dass dabei die globalen Lebensmittel- und Pharmaindustrien auch ihr Fett abbekommen, versteht sich quasi von selbst.
„Wir stehen als Spezies kurz vor dem Aussterben“, warnt ein Sprecher. „Wir führen hier ein globales Experiment ohne jegliche Kontrolle durch“, sagt ein anderer. „Die Menschen werden buchstäblich verhungern.“
Dass solche und ähnliche Aussagen mit schaurig-schönen Bildern illustriert sind, trägt noch dazu bei, dass man sich mit dem „Konsum“ dieser Doku einmal so richtig deprimieren kann.
INFO: Ö 2025. 95 Min. Von Susanne Brandstätter. Mit Irakli Loladze, Lewis Ziska.
Source:: Kurier.at – Kultur



