KI und Jobangst: Was die Jugend heute wirklich lähmt

Wirtschaft

Was die Jugend mehr denn je braucht, sind Sicherheit und Orientierung, ist Jugendforscher und Unternehmensberater Heinz Herczeg sicher. Heuer veröffentlichte er die Studie „Jugend in Österreich“, in der 3.072 Jugendliche und junge Erwachsene befragt wurden. Was junge Menschen so verunsichert, verrät er dem KURIER.

KURIER: Wir leben in Krisenzeiten. Junge Menschen werden über Social Media regelmäßig mit schlechten Nachrichten konfrontiert: Krieg, Inflation, Kündigungswellen. Wie beeinflusst das ihre Zukunftsentscheidungen? Heinz Herczeg: Sie treffen einfach weniger Entscheidungen, zögern sie hinaus oder vermeiden sie gänzlich, weil sie Angst haben, die falschen zu treffen. Schüler gehen zum Beispiel lieber weiter zur Schule und beginnen ein Studium, bevor sie sich für etwas entscheiden, bei dem sie nicht wissen, ob es das Richtige ist.

Die jungen Generationen befinden sich also in einem Stillstand.

Laut der Studie sind 42 Prozent mit ihren beruflichen Aussichten unzufrieden. 32 Prozent sorgen sich um Arbeitslosigkeit. Das sind alles sehr hohe Werte für eine junge Generation. Das hätte es früher nicht gegeben. Ihnen fehlen Orientierung, Information, Transparenz und Alternativen. Die Jungen kennen ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten nicht. Sie fühlen sich nicht vorbereitet. Nachrichten, dass die künstliche Intelligenz ihnen nun die Jobs nehmen könnte, machen das nicht besser. 23 Prozent sehen ihre berufliche Zukunft konkret durch die KI gefährdet.

Kann KI tatsächlich zu einer Bedrohung für ihre Arbeitsplätze werden?

Viele Unternehmen sparen derzeit genau an der falschen Stelle. Wenn Einstiegsjobs durch KI wegfallen, dürfen wir nicht einfach zuschauen. Sonst entsteht ein Praxis-Gap, den Unternehmen später teuer bezahlen. Wenn heute strukturierte Einstiege fehlen, fehlt morgen die erfahrene Mitte. Wissenstransfer passiert nicht von selbst. Er braucht Struktur, Zeit und bewusste Zusammenarbeit zwischen erfahrenen und jungen Mitarbeitenden. Praxiswissen entsteht nicht durch Zuschauen, sondern durch Mitwirken.

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Durch den demografischen Wandel scheiden die Babyboomer bald vollständig aus dem Arbeitsmarkt aus – und die Jugend wird früher oder später sehr gefragt sein. Müssten Arbeitgeber nicht schon jetzt reagieren?

Viele sagen, sie können sich Praktikumsplätze und Einstiegsjobs nicht mehr leisten. Außerdem sind viele Firmen aktuell selbst im Umbruch und müssen wegen der wirtschaftlichen Situation herunterfahren. Aber es gibt genug sichere Berufe, die nach Fachkräften suchen. Hier können Unternehmen leistbar aktiv werden und mehr Potenzialbilder vermitteln. Jugendliche brauchen nicht nur Informationen über Berufe, sondern Werkzeuge, um die Frage zu beantworten: Was kann ich gut? Was liegt mir? In welchem Umfeld wirke ich stark? Genau diese Selbsteinschätzung fehlt oft.

Was können junge Menschen tun, um wieder Mut zu schöpfen?

Ich sehe das Problem weniger bei den Jungen. An Motivation fehlt es ihnen nämlich nicht. Sie haben auch keine Angst vor der Zukunft – sie sind zukunftsverunsichert. Ich höre das von 70 Prozent aller jungen Leute: Sie haben Angst, Fehler zu machen, und deswegen tun sie es nicht. Sie wollen sich nicht blamieren, kein schlechtes Feedback bekommen und auch nicht versagen. Wir müssen weg von einer Fehlerkultur und hin zu einer Stärkenkultur. RS

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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