Das Auto mal stehen lassen: Zweimal Kunst zur Spritkrise

Kultur

Gute Kunstwerke zeichnen sich dadurch aus, dass sich immer wieder neue Fragen an ihnen verfangen – teils auch ungeachtet der Absicht des Künstlers oder der Künstlerin.

Als der Vorarlberger Gottfried Bechtold 1971 seinen ersten „Betonporsche“ schuf, ging es um ein Statement gegenüber Bildhauern, die stehende, sitzende und schreitende Figuren aus Stein meißelten oder in Bronze gossen: Ein Sportwagen („Das Auto ist eine Gehhilfe“, sagt Bechtold) aus einem profanen Baumaterial war da eine Provokation.

Dass ein „Betonporsche“, einer von 11 Abgüssen aus dem Jahr 2006, nun im Wiener Hanuschhof jenen Parkplatz okkupiert, der bislang der Direktorin der Horten Collection vorbehalten war, lässt sich auch als Geste eines neuen Repräsentationsdenkens deuten. Vor allem aber haben sich neue Fragen aufgetan: Ist die Mobilität, die im Kult um Sportwagen gipfelte, inzwischen museumsreif? Sind Kunstwerke als Statussymbol potenter als schnelle Autos? Und welche Monumente schaffen wir uns heute?

Beständig und bröckelnd

Es ist Zufall, dass sich in Gehweite des „Betonporsches“ ein Kunstwerk solchen Fragen aus einer anderen Perspektive nähert: Die Künstlerin Folke Köbberling hat am Karlsplatz den Abguss eines Mercedes-Geländewagens postiert – als Beitrag zur „Klima Biennale“.

Hier besteht das Auto allerdings aus verrottenden Materialien wie Lehm und Pappe. Die Materialästhetik von Kompost und Regeneration trifft in der Zusammenschau auf jene einer Beständigkeit, die aus Öko-Perspektive schon wieder fragwürdig ist: Für die rund drei Tonnen CO2, die die Produktion der für die Skulptur nötigen 16,4 Tonnen Beton verschlingt, fährt ein Porsche 911 rund eine Million Kilometer.

  "Digitale Einzelzelle“: Wie die Hoffnungen an das Internet ins Gegenteil gekippt sind

Die Effizienz von Kunst bemisst sich aber weniger in solchen Zahlen als darin, ob sie hilft, den eigenen Platz in der Welt besser zu verstehen. Und da fällt die Bilanz der Konstellation durchaus positiv aus.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.