Jeder ist „Bangaranga“: Die „schöne Art von Chaos“ siegt beim Song Contest

Kultur

Als Erstes bedankte sich Sängerin Dara bei ihrem Mann: Sie habe mit Angstzuständen und Selbstzweifeln gekämpft, erzählte die Sängerin in der ersten Pressekonferenz nach ihrem Sieg – doch er habe ihr Mut gemacht, trotzdem beim Song Contest mitzumachen.

Das hat sich ausgezahlt: Mit stolzen 516 Punkten holte die 27-Jährige überraschend den Sieg beim 70. ESC in Wien und setzte sich mit der Dance-Pop-Nummer „Bangaranga“ gegen Israel und Australien durch. Dabei hat es in den Wettquoten lange nicht danach ausgesehen, als könnte Bulgarien vorne mitspielen. Kurz vor dem Finale drehten sich die Prognosen.

Nummer 1

In ihrer Heimat ist Dara jedenfalls längst keine Unbekannte mehr. Die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Darina Jotowa heißt und aus der Hafenstadt Varna stammt, erreichte mit 16 bei der bulgarischen Castingshow „X Factor“ den dritten Platz. Seitdem hat sie Musik in ihrer Muttersprache und auf Englisch veröffentlicht und hatte mehrere Nummer-1-Hits in Bulgarien. Ihre Songs und Musikvideos verzeichnen über 80 Millionen Streams und Aufrufe. Dara war auch mehrmals als Coach bei „The Voice of Bulgaria“ im Einsatz.

Im Vorjahr hat sie ihr Album „ADHDARA“ herausgebracht, das sie im Independent als ihr persönlichstes bisher bezeichnet: Es gehe darin u. a. um Selbstakzeptanz und ihren Umgang mit der Diagnose ADHS.

Jeder ist „Bangaranga“

Der Sieger-Titel „Bangaranga“ beziehe sich auf eine Bezeichnung aus dem jamaikanischen Slang und stehe für Aufruhr und „eine schöne Art von Chaos“. „Bangaranga“ sei etwas, das jeder in sich trage, erklärte die Sängerin bei der Pressekonferenz: „Es ist der Moment, in dem du dich entscheidest, aus Liebe statt aus Angst zu handeln.“ Der Song sei u. a. inspiriert von „kukeri“, ist auf Daras Instagram-Kanal nachzulesen – einem alten bulgarischen Ritual, mit dem das Böse vertrieben werden soll.

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Für Bulgarien ist es der erste ESC-Sieg. 2017 hat das Land mit Kristian Kostov und „Beautiful Mess“ den 2. Platz erreicht. Vier Jahre pausierte Bulgarien beim Song Contest – und konnte bei der Rückkehr heuer triumphieren. Sie holt damit den Bewerb nach Bulgarien – es ist das erste Mal seit 18 Jahren, dass ein Land am Balkan das Event austragen wird, zuletzt war dies 2008 in Serbien der Fall. Es sind andere Vorzeichen als in Österreich.

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Gastgeberland

Wirtschaftlich ist das bis 1990 kommunistisch geführte und heutige NATO-Land eines der Sorgenkinder der EU: Bulgarien mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern hat das geringste BIP pro Kopf sowie die höchste Armutsgefährdungsquote und lange eine hohe Inflation. Für Frust sorgen die die grassierende Korruption und die Oligarchie. Die jüngsten Zeichen stehen aber auf etwas mehr Stabilität: Seit Jänner dieses Jahres hat Bulgarien den Euro, was europäische Investitionen ankurbeln soll. Und die letzte Wahl vor knapp vier Wochen gewann der ehemalige und eher prorussische Präsident Rumen Radew, seine Regierung hat seit Langem mal wieder eine absolute Mehrheit an Mandaten. Er ist ideologisch dem neuen Ministerpräsidenten Ungarns, Péter Magyar, vergleichbar: Man ist sich der wirtschaftlichen Vorteile einer EU-Mitgliedschaft bewusst, wird Entscheidungen in Brüssel nicht blockieren, aber ist gegen finanzielle Militärhilfen und einen schnellen EU-Beitritt der Ukraine.

Das Verhältnis zu Österreich, wo etwa 45.000 Bulgaren leben, war …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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