
In Niederösterreich könnte es wesentlich mehr große Photovoltaik-Anlagen geben, als es derzeit der Fall ist, sagt der Solarkraft-Verband PV Austria. Vor drei Jahren wurde ein sektorales Raumordnungsprogramm vorgestellt, das 116 Zonen eigens für großflächige Solarkraftwerke vorsieht. Seitdem wurden allerdings nur in 11 davon Projekte realisiert. „Dass nur ein Bruchteil genutzt worden ist, ist natürlich schade“, sagt PV Austria Geschäftsführerin Vera Immitzer. Für die Zögerlichkeit gebe es gute Gründe.
Gemeinden haben das letzte Wort
Ein Grund sei etwa, dass Gemeinden das letzte Wort hätten, wenn es um die Widmung von Projekten gehe. Die Zonen wurden bereits so gewählt, dass ausreichende Netzanschlusskapazitäten zur Verfügung stehen. In einer Zone gibt es aber teilweise viele kleine Grundstückseigentümern, mit denen sich Projektpartner erst einigen müssen. Und danach kommt es auch noch auf das „Okay“ der Gemeinde an. Aus unterschiedlichsten Gründen, u.a. Landschaftsschutz, kommt es hier immer wieder zu einer Ablehnung.
„Es gibt Gemeinden, die wollen einfach keine Freiflächen-PV-Anlagen. Andere wollen eine, bekommen aber keine, weil sie keine Zone haben“, sagt Immitzer. Außerhalb der PV-Zonen dürfen nur bis zu 2 Hektar große PV-Anlagen errichtet werden.
Für PV-Anlagen gilt eine Maximalgröße
Ein anderer Grund ist eine Größenbeschränkung. Pro Zone dürfen maximal 10 Hektar PV-Module verbaut werden – obwohl die Zonen teilweise größer sind. In anderen Bundesländern, etwa dem Burgenland, können jedoch weit größere zusammenhängende PV-Parks verwirklicht werden. Bei größeren Projekten gilt darüber hinaus ein „überregionales Interesse“, das die Genehmigung einfacher macht.
Anschlüsse von Windparks werden zu wenig genutzt
PV Austria kritisiert außerdem, dass es nur wenige PV-Zonen bei bestehenden Windparks gebe. Deren Anschlussleistung könnte durch zusätzliche Solarkraftwerke gut genutzt werden ohne zusätzlichen Stromnetzausbau zu benötigen. „Große PV-Anlagen werden normalerweise innerhalb von ein bis zwei Jahren umgesetzt, wenn die Bedingungen passen – und davon sollte man in PV-Zonen ausgehen“, so Immitzer. Die bislang niedrige Anzahl an Projekten sei ein Indiz dafür, „dass die Zonen nicht nutzbar sind“.
Strom für Rechenzentren benötigt
„Niederösterreich ist eines der fortschrittlichsten Bundesländer, was die Genehmigung von PV-Dachanlagen betrifft“, sagt Immitzer. „Aber beim Ausbau der Freiflächen-Photovoltaik ist es zögerlich.“ Solarkraftwerke auf Dächern und Parkplätzen alleine werden zur Erreichung der Erneuerbaren-Ausbau-Ziele nicht reichen. Dabei läge dieser Ausbau im Interesse Niederösterreichs, wo erst vor Kurzem eine Rechenzentrums-Strategie vorgestellt wurde. Um Betreiber anzulocken, wird jede Menge Strom benötigt.
Land betont soziale Verträglichkeit von PV-Projekten
Das Land Niederösterreich hält diesen Argumenten entgegen, dass von den 116 Zonen 24 eine Widmung „Grünland-Photovoltaikanlage“ erhalten haben, was immerhin 20,7 Prozent entspreche. Ein überörtliches Raumordnungsprogramm sei in der Regel auf 10 bis 12 Jahre ausgelegt. Die Widmung alleine ist freilich nur ein Schritt von mehreren zur Realisierung von PV-Projekten.
Die Größenbeschränkung auf 10 Hektar diene der sozialverträglichen Umsetzung von Projekten. Man wollte damit einen Ausgleich zwischen Bodeninanspruchnahme und der Gewinnung erneuerbarer Energie schaffen. Die Einbindung der Gemeinden diene der „lokalen Partizipation bei der Energiewende“. Und 15 der PV-Zonen lägen immerhin in Windpark-Nähe. „Das ist nicht viel“, sagt Immitzer.
Für das Tempo ist nicht nur Niederösterreich verantwortlich
Das aktuelle Tempo beim Ausbau der Freiflächen-Photovoltaik hänge laut Landesverwaltung nicht nur von den Rahmenbedingungen in Niederösterreich ab, sondern auch …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



