Erlebnisbericht: Drei Wochen auf dem Zauberberg für Kassenpatienten

Politik

Das Reha-Zentrum Alland, in dem ich Anfang des Jahres drei Wochen verbrachte, ist auf Stoffwechselerkrankungen spezialisiert. Das heißt: Die meisten Patientinnen und Patienten dort sind so übergewichtig, dass es nicht mehr gesund ist.

Aber anders, als Freunde und Verwandte glauben („Wie viel hast schon abgenommen?“), ist das keine Diätklinik, sondern eine Art Bootcamp, in dem einem vorgelebt wird, wie man sich richtig ernährt. Kurzfassung: Man soll 1) nicht zu viel, 2) das Richtige und 3) keine Zwischenmahlzeiten essen.

Kostenloser Wellness-Urlaub? Na ja: Es gibt Selbstbehalt (mehr als 500 Euro), und spätestens, wenn man um 17 Uhr beim Abendessen sitzt, weiß man, dass so ein Reha-Zentrum dann doch mehr Spital als Hotel ist. Alland gilt als „Kaserne“ unter den Reha-Zentren. Zapfenstreich ist um 22 Uhr, danach sind die Türen versperrt. Ein Vorarlberger Feuerwehrkommandant, der auswärts gefeiert hat, ist einmal nach Mitternacht mit seinem Feuerwehrschlüssel eingestiegen (und erwischt worden).

Der Tag beginnt früh (Frühstück um sieben) und ist gut gefüllt mit Terminen. Körperliche Einheiten (Kraftkammer, Wassergymnastik, Nordic Walking) stehen ebenso auf dem Programm wie Vorträge oder Einzelgespräche von und mit Diätologinnen und Trainern, Ärztinnen und Psychologen.

Ein Kornspitz als Pointe

Die beste Lektion sind die Praxisbeispiele: die Mahlzeiten. Die Küche in Alland betreibt da einigen Aufwand, Unverträglichkeiten werden berücksichtigt, und jeder bekommt genau die für ihn vorgesehene Kalorienmenge auf den Teller. (Als ein Patient einmal nach einem zusätzlichen Kornspitz fragte, war das der Lacher des Abends.) Das Essen ist meist erstaunlich gut, die Portionen sind überraschend groß. „Zu Hause esse ich weniger!“, sagen viele. Antwort der Diätologinnen: „Ja, aber das Falsche!“ Die entscheidende Botschaft ist diese: Auch gesunde Ernährung schmeckt und macht satt.

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Das mehr als 100 Jahre alte Backsteingebäude mit gepflegtem Park war ursprünglich ein Tuberkulose-Sanatorium, und tatsächlich erinnert das Setting ein bisschen an Thomas Manns „Zauberberg“. Nur dass man hier nicht mit mondänen Russinnen oder philosophierenden Italienern am Tisch sitzt, sondern mit Kassenpatientinnen aus der Obersteiermark.

Das Gerücht, dass man auf Kur in Zweibettzimmern untergebracht ist, kann ich zum Glück nicht bestätigen. In Alland sind es (kleine) Einzelzimmer, wobei sich jeweils zwei Gäste Bad und WC teilen. Das war okay, zumal mein „Mitbewohner“ Manfred ein netter Kerl war; aber es gab schon auch Patienten, die ich nicht so gern als Nachbarn gehabt hätte.

„Machen Sie kein Projekt daraus!“, sagt die strenge Frau Primaria am Tag vor der Entlassung zu uns. Gemeint hat sie: Es geht nicht darum, so und so viele Kilos abzunehmen, sondern sein Leben zu ändern. Die Kilos gehen dann von selber.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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