
Einschüchtern lässt sich Büsra Sayed nicht, wenn die 27-jährige Deutsche von der rechtsradikalen AfD als „Hijab-Aktivistin“ diffamiert wird. Sie nimmt es mit Humor und antwortet mit teils millionenfach geklickten Posts auf Instagram: „Hijab-Aktivistin‘ ist doch gut, sonst hieß es immer “Kopftuch-Mädchen“. Jetzt haben wir ein Upgrade.“
Dass sich vor allem die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch so sehr über die aus dem Landkreis Osnabrück stammende junge Frau empört, hat mit der jüngsten Wahl der Miss Germany zu tun. Die gewann zwar im März jemand anders, doch Büsra Sayed schaffte es ins Finale – als erste deutsche Frau mit einem Hijab. Es war eine Kopfbedeckung aus ihrer eigenen Kollektion – Sayed ist Unternehmerin.
Woraufhin Storch vor den deutschen Parlamentsabgeordneten im Bundestag tobte: “Wenn es Fortschritt sein soll, dass eine islamische Aktivistin wie sie am Finale der Miss Germany teilnimmt, dann leben wir im Absurdistan – und zwar in einem sehr gefährlichen Absurdistan.“
Doch damit machte Storch die junge Miss-Germany-Finalistin erst so richtig populär. Mit dem ihr eigenen Humor reagierte Sayed in den sozialen Medien: Es sei das erste Mal, dass ihre „Freundin“ von der AfD im Bundestag Werbung für sie gemacht habe, “also seid bitte nett zu ihr“. Und sie fügte hinzu: Für alle Hijabs, die Storch künftig kaufen wolle, bekomme sie 10 Prozent Rabatt.
Sechs Millionen Klicks
Die Resonanz darauf war gewaltig – sechs Millionen Mal wurde ihr Video geklickt. Unzählige Bestellungen für ihre Hijabs gingen ein. “Nicht-muslimische Frauen und Männer haben plötzlich Hijabs bestellt“, schildert Sayed der Deutschen Welle.
“Wir haben Kommentare von christlichen Pastorinnen erhalten, die sagten, dass auch sie aus Solidarität Hijabs anfordern“. Eine 70-jährige Kundin schrieb ihr, sie hänge sich das Tuch als Flagge ins Wohnzimmer, eine andere wolle das Tuch als Babytrage nutzen, so Sayed. Mit einer gehörigen Prise Schalk fügte sie hinzu: Sie habe spontan einen “AfD Blue“-Hijab in ihr Sortiment aufgenommen, der sei schon fast ausverkauft.
Ihre neue Prominenz brachte Büsra Sayed sogar in den Bundestag. Auf Einladung einer SPD-Abgeordneten wurde die 27-Jährige im Parlament in Berlin empfangen. Denn sie verfolgt durchaus eine Mission, weshalb, wie sie schildert, sie sich ja zur Miss-Germany-Wahl angemeldet habe: “Eine Zukunft zu gestalten, in der Vielfalt sichtbar ist und sich jede Frau zugehörig fühlt. Auch mit Hijab. Nicht als Trend, sondern als Realität.“
In ihrem Alltag in einer niedersächsischen Kleinstadt habe sie immer wieder Rassismus erlebt, sagt Büsra Sayed. Dem beschloss sie, nach Abschluss ihres Studiums, mit kurzen humoristischen Videos zu begegnen. Mit großem Erfolg: Mehr als 160.000 Menschen folgen ihr auf den sozialen Medien. Und als Unternehmerin beschäftigt sie nun – nicht zuletzt dank der unfreiwilligen Werbung der AfD – bereits fünf Mitarbeiterinnen.
Source:: Kurier.at – Politik



