Schweiz gibt versiegelte Akten über KZ-Arzt Josef Mengele frei

Politik

Jahrelang hat der Schweizer Bundesnachrichtendienst alle Anfragen von Historikern blockiert, die Gewissheit erlangen wollten: Hat der berüchtigte Lagerarzt von Auschwitz, Josef Mengele, viele Jahre nach seiner Flucht aus Deutschland tatsächlich die Schweiz für einen Skiurlaub besucht? Kam er sogar noch ein weiteres Mal, obwohl längst ein internationaler Haftbefehl gegen den „Todesengel“ von Auschwitz bestand?

Anfang Mai hat der Nachrichtendienst angekündigt, dass Zugang zu den Mengele-Akten gewährt wird. Der deutsche SS-Offizier und damals 32-jährige Arzt war 1943 ins KZ Auschwitz kommandiert worden. Dort war er für „Selektionen“ zuständig, entschied über Leben oder sofortige Vergasung der ankommenden Zigtausenden Frauen, Männer und Kinder. Berüchtigt und gefürchtet aber war Mengele besonders für seine Menschenexperimente.

Er injizierte gesunden Menschen Krankheitskeime oder Gift und sah mitleidlos zu, wie sie starben. Mit seiner Arbeit als Wissenschaftler wollte er das Ziel der Nationalsozialisten unterstützen, die angebliche Überlegenheit der deutschen „Rasse“ auszubauen. Seine Opfer wählte Mengele hauptsächlich unter Roma und Juden aus, beide Gruppen galten in der NS-Ideologie als „Untermenschen“, die eine Gefahr für die „deutsche Rasse“ darstellten.

Experimente an Zwillingen

Berüchtigt waren seine „Experimente“ an eineiigen Zwillingen oder an Menschen mit angeborenen Anomalien. Letztere ließ er nach seiner Untersuchung ausnahmslos töten. Ein ehemaliger Häftlingsarzt berichtete im Sommer 1945, wie Mengele persönlich 14 „Zigeunerzwillinge“ durch Injektion tötete, um sie anschließend sezieren zu lassen.

Als Ende 1943 im Frauenlager, das zu diesem Zeitpunkt unter seiner Aufsicht stand, eine Typhusepidemie ausbrach, ließ er die 600 Insassinnen eines ganzen Blocks vergasen und den Block anschließend desinfizieren. Ebenso ging er in anderen, jeweils mit Hunderten Menschen belegten Blocks vor, wo später Scharlach und Masern ausgebrochen waren.

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Nach dem Krieg tauchte Mengele zunächst in Bayern unter. Er arbeitete unerkannt auf einem Bauernhof, ehe es ihm 1949 gelang, nach Südamerika zu flüchten. Unter falschem Namen lebte Mengele in Argentinien und Brasilien, 1979 ertrank er bei einem Badeunfall. 

Doch mindestens einmal dürfte der per internationalem Haftbefehl gesuchte Kriegsverbrecher in die Schweiz in den Urlaub gefahren sein. Dass er 1956 in Zürich auftauchte, ist seit den 80er-Jahren bekannt. Als gesichert gilt auch, dass Mengeles Ehefrau 1959 eine Wohnung in Zürich mietete. Und 1961 warnte der österreichische Geheimdienst die Schweiz, dass Mengele möglicherweise unter einem Pseudonym dorthin reisen könnte.

Viele Fragen haben sich seither gestellt, die nur mit Einsicht der bisher geheimen Akten geklärt werden könnten: War der gesuchte Kriegsverbrecher mehrmals in der Schweiz? Haben ihn die Schweizer einfach nicht sehen wollen? Hoffte der eidgenössische Geheimdienst, die unerwünschte Aufmerksamkeit zu vermeiden, die eine Verhaftung verursacht hätte? Oder war, wie vieles über den gefürchteten „Todesengel“ Mengele, alles nur ein Gerücht?

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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