„Noch nie erlebt“: Ex-Korrespondent sieht USA von Angst und Vorsicht geprägt

Politik

Der deutsche Journalist und langjährige ARD-Korrespondent in Washington, Claus Kleber, hat ein verändertes gesellschaftliches Klima in den USA geortet. Er habe Amerika „noch nie in einem Zustand der Angst und Vorsicht erlebt“, sagte der frühere ZDF-„heute journal“-Moderator am Rande des Journalismusfests im APA-Gespräch in Innsbruck. Die Verunsicherung reiche indes von Politik und Medien bis in die Familien hinein.

Menschen in USA haben Gefühl „vor eigenem Staat nicht sicher“ zu sein

„Das klingt jetzt sehr wolkig, aber es ist das Klima“, erwiderte Kleber auf die Frage, was sich seit seiner Zeit als USA-Korrespondent – er berichtete ab 1986 für 15 Jahre aus den Staaten – am stärksten verändert habe. Die USA seien für ihn jedenfalls lange ein Land gewesen, „das sich alles zugetraut“ habe. Derzeit prägten jedoch Gefühle von Angst die Mentalität. Es gebe das Gefühl, dass „nichts mehr gesichert“ sei, resümierte der Top-Journalist.

Er beschrieb dabei auch eine veränderte Wahrnehmung des Rechtsstaats. Menschen in den USA hätten zunehmend das Gefühl, „auch vor meinem eigenen Staat nicht sicher“ zu sein. Das erzeuge Wut, aber auch Angst. „Das hat die Atmosphäre im Land verändert“, sagte Kleber. In dieser Form habe er die USA bisher jedenfalls nicht erlebt.

Tech-Eliten und politische Macht

Auch den wachsenden Einfluss großer Technologiekonzerne auf die US-Politik sah der 70-Jährige mit Sorge. Kleber sprach von einer wirtschaftlich und politisch starken Community in Kalifornien, die der Ansicht sei, dass für wirtschaftliche Interessen möglichst alle Beschränkungen fallen müssten. „Die Logik ist, dass alles, was technisch möglich ist, auch gemacht werden muss, weil Amerika sonst von China überholt wird“, meinte er.

  Klinisch-psychologische Therapie auf Kasse: 6.500 Anmeldungen

Elon Musk sei dabei nur der sichtbarste und reichste Vertreter, sagte Kleber. Er verwies auch auf Peter Thiel und andere Akteure aus dem Silicon Valley. Diese Kreise wollten verhindern, dass die USA „europäisch“ würden, also technische Entwicklungen stärker reguliert werden. „Dass mit J.D. Vance jetzt ein ehemaliger Venture-Capital-Anfänger aus dem Silicon Valley Vizepräsident ist, ist kein Zufall, sondern das Werk von diesen Interessengruppen“, betonte er.

Abzug von US-Soldaten aus Deutschland problematisch

Hinsichtlich des verteidigungs- bzw. außenpolitischen Agierens der USA bewertete Kleber den geplanten Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland, der kürzlich publik geworden war, nicht nur als wirtschaftliches Problem für betroffene Regionen. Auch in Sachen militärischer Abschreckung sei dies problematisch. Noch schwerer wiege aus seiner Sicht, dass eine mit Deutschland vereinbarte Raketeneinheit nun doch nicht komme. „Das ist ein direkter Eingriff in die Abschreckung und das ist nicht gut“, sagte er mit Blick auf den Ukraine-Krieg an der osteuropäischen NATO-Grenze.

Eine zentrale Frage sei zudem der nukleare Schutzschirm durch die USA. „Wird Amerika weiterhin bereit sein, Chicago für Berlin zu riskieren?“, fragte Kleber. Entscheidend sei dabei nicht nur, ob ein US-Präsident tatsächlich so handeln würde, sondern ob andere Akteure daran glaubten. Derzeit gebe es jedenfalls Zweifel daran, sagte er und sprach von einer „Abschreckungslücke auf psychologischer Ebene“. Russland sei seiner Meinung nach aktuell aber nicht in der Lage, sich einen weiteren militärischen Konflikt aufzubürden.

Öffentlich-rechtliche Medien unter Druck

Mit Blick auf Medien war Kleber der Ansicht, dass Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit besser erklären müssten. Viele Menschen hätten eine falsche …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.