
In dem vier Jahre und bald vier Monate dauernden Feldzug Russlands gegen die Ukraine hat es schon viele erfolglose Anläufe für Friedensgespräche gegeben. Jetzt ist mit dem russischen Multimilliardär und Ex-Öl-Magnat Roman Abramowitsch (59), der fast 20 Jahre lang Eigentümer des englischen Premier-League-Vereins Chelsea war, der nächste Vermittler aufgetaucht.
Abramowitsch traf sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij (48) im Mai in Kiew, um Kompromissmöglichkeiten mit Moskau auszuloten. Von Erfolg gekrönt war aber auch diese Initiative nicht.
Top Secret
Abramowitsch soll Selenskij eine Botschaft Wladimir Putins (73) überbracht haben, deren Inhalt nicht bekannt wurde. Über das Treffen in Kiew hatte zuerst die Financial Times (FT) berichtet.
Bekannt ist nur Selenskijs Antwort an Putin, wie er sie zuletzt in einem offenen Brief an den Kreml-Chef auch öffentlich gemacht hat. Und zwar: Die Aufgabe des Donbass komme für Kiew nicht in Frage und „ein Waffenstillstand ist unsererseits der größte Kompromiss“. Zumindest zeigte sich Selenskij abermals bereit zu einem persönlichen Treffen mit Putin.
Mittlerweile ist klar, dass es dazu bis auf Weiteres nicht kommen wird. Den Brief Selenskijs kommentierte Putin auf seinem Wirtschaftsforum in St. Petersburg, das von Drohnenattacken begleitet wurde, sehr abfällig. Putin sprach über „Elemente der Unverschämtheit“. Außerdem ging Putin auf Distanz zu Abramowitsch, der „ohne seine ausdrückliche Erlaubnis nach Kiew gereist sei“.
Seit Kriegsbeginn war Abramowitsch freilich immer wieder als Vermittler zwischen Moskau und Kiew tätig und hat auch mehrere Gefangenenaustausche eingefädelt. „Er wird gebraucht, weil er der einzige Russe ist, den sie tolerieren. Er versteht sich mit allen“, sagte ein Insider der FT.
Im türkischen Exil
Der von der EU, den USA, Großbritannien, Kanada, der Schweiz und Australien sanktionierte Abramowitsch hat seine Zelte heute in einem abgeriegelten Luxusanwesen in Istanbul direkt am Bosporus aufgeschlagen, weil die Türkei bei den Sanktionen gegen russische Oligarchen nicht mitmacht. Seine Yachten Solaris und Eclipse, die zu den größten der Welt zählen, liegen in Werften bei Istanbul vor Anker. Viele seiner Flugzeuge wurden konfisziert, Vermögen vor allem in England oder auf Jersey eingefroren. Sorgen muss er sich keine machen: Vor den Sanktionen (ab März 2022) dürfte Abramowitsch, dessen Vermögen Forbes aktuell auf 9,3 Milliarden US-Dollar schätzt, große Teile seiner Firmen und Beteiligungen an seine Kinder übertragen haben. Michael Bachner
Source:: Kurier.at – Politik



