Zahnlos oder mit Zahnspange: „Schönberg pfeifen“ am Praterstern

Kultur

Die japanischen Touristen wünschten sich Mozart, aber bekommen haben sie Schönberg. Und nicht nur das: Sie werden dazu aufgefordert, zu einer Schönberg-Melodie mit zu peifen  – denn genau das hat sich Arnold Schönberg in einem Brief  von 1947 gewünscht: Dass die Menschen seine Melodien kennen und pfeifen würden. 

Nun sind Kompositionen der Zwölftonmusik alles andere als leicht nachzusingen, geschweige denn, zu pfeifen. Trotzdem haben der italienische Pianist Marino Formenti und der österreichische Filmemacher Thomas Marschall den Wunsch des berühmten Komponisten wörtlich genommen: Anlässlich von Schönbergs 150. Geburtstag entstand im Rahmen des Festivals Wien Modern eine künstlerische Intervention. Formenti setzte sich mit einem Bösendorfer an zentrale Wiener Plätze wie den Praterstern oder den Flohmarkt und forderte die Vorbeigehenden auf, seine Schönberg-Melodien nachzupfeifen.

Wie ein Honigtopf die Bienen, zog er mit seinem Klavierspiel die Leute an. Man glaubt ja gar nicht, wie viele Menschen – vor allem Männer –   bereit sind, vor der Kamera zu pfeifen. Und es blieb nicht nur bei Schönberg. Egal ob mit Zahnspange oder zahnlos, falsch oder richtig (meist falsch), mit gespitzten Lippen, oder doch gleich aus voller Kehle – es wurde gesungen, getanzt, gepfiffen  und Schnaps getrunken. Denn wer sich beteiligte, wurde mit einem Stamperl belohnt. 

Thomas Marschalls etwas unbalancierter, aber durchaus vergnüglicher Film ist keine Doku im eigentlichen Sinn, sondern vielmehr eine spontane Begegnung mit Menschen, die sich berühren lassen  von einem exzellenten Pianisten, der sie vorteilsfrei zum Mitmachen einlädt. Vergnüglich, kurzweilig und überraschend berührend. 

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INFO: Ö 2026. 75 Min. Von Thomas Marschall. Mit Marino Formenti.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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