Sommernachtskonzert mit Schattentanz und Mitklatschen

Kultur

So nachdrücklich hört man ein „Gott sei Dank“ nicht oft, wie von Daniel Froschauer, dem Vorstand der Wiener Philharmoniker bei der Begrüßung zum „Sommernachtskonzert“. Seinen Dank bezog er aber nicht auf das Wetter, denn die meteorologischen Bedingungen waren ideal, sondern die prekären Umstände davor. Noch vor wenigen Monaten war nicht sicher, ob es das Gratiskonzert in diesem Jahr im Schönbrunner Schlosspark geben werde, denn die Stadt Wien wollte 250.000 Euro Subvention streichen. Schließlich einigte man sich auf 100.000 Euro. Damit konnten wieder mehr als 50.000 Besucher im Park dieses Orchester erleben und Millionen auf allen Kontinenten. 88 Fernsehstationen weltweit strahlen das Konzert aus, der ORF nahezu live und bis 16.12. 2026 als Stream. Die Berichterstattung wird von Jahr zu Jahr internationaler, viele kamen aus asiatischen Ländern.

Leichte Kavallerie und Mephisto

Das vielfältige Programm ließ die Philharmoniker ihre Qualitäten als symphonisches und als Opernorchester ausspielen. Lorenzo Viotti, der auch das letzte philharmonische Abonnement-Konzert dieser Saison dirigierte und die aktuelle Aufführungsserie von Puccinis „Il Trittico“ an der Wiener Staatsoper leiten wird, stand am Pult. Bereits beim Auftakt, mit der Ouvertüre von Franz von Suppés Operette „Leichte Kavallerie“, kehrte er die Qualitäten des Orchesters hervor. Präzise akzentuierte die eingängigen Rhythmen und verband diese schlüssig mit dem Charme der ungarischen Passagen. 

Als Solist war der Waliser Bassbariton Bryn Terfel auf der Bühne im Schlosspark ganz in seinem Element als Opern-Entertainer. Mit Verve warf er sich in jede einzelne Partie. Bei der Arie von Arrigo Boitos Mephisto „Son lo spirito che nega“ („Ich bin der Geist, der stets verneint“), pfiff er so laut, als wolle er beweisen, dass er als Schiedsrichter auch ohne Pfeiferl auskäme. Manche im Publikum wollten da mithalten. Als Verdis Falstaff grummelte er mit Noblesse und spielte seinen Schalk aus. Als „Rheingold“-Wotan begrüßte er wortdeutlich die Burg. Als Milchmann Tevje veranlasste er das Publikum zum Mitklatschen und ließ seine Freude an diesem Auftritt spüren.

  Papier für die Ewigkeit und ein Hase für alle

Schattenspiel

Wie ein Kontrast wirkte dagegen die Eleganz des Dirigenten, die sich in seinen Interpretationen manifestierte. Pure Sinnlichkeit generierte er aus Ravels „Daphnis und Chloè“-Suite. Eine Balletttruppe ließ dazu ein Schattenspiel an der Fassade sehen. Auf die romantisierenden Orchesterminiatur „Adoration“ von Florentine Price, ließ Viotti schlüssig Korngolds Strauß-Schwelgereien folgen. Konzertmeisterin Albena Daneilova brachte betörend bei der „Meditation“ aus Jules Massenets Oper „Thaïs“ ihre Geige zum Singen. De Abreus „Tico-Tico“ als erste Zugabe ließ einige im Publikum mitswingen. Mit dem kammermusikalischen Beginn von „Wiener Blut“ kehrte der unvergleichliche Klangkörper in seine Welt mit Brillanz zurück.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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