Staatspreis für Europäische Literatur geht heuer an Lídia Jorge

Kultur

Die portugiesische Autorin Lídia Jorge ist die neue Trägerin des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur. Die 79-Jährige erhält die mit 25.000 Euro dotierte Ehrung für ihr Gesamtwerk, wie das Kulturministerium mitteilt. Geboren am 18. Juni 1946, zählt Jorge seit langem zu den bedeutendsten literarischen Stimmen Portugals. Jorge wird die Ehrung am 27. Juli durch Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) am Rande der Salzburger Festspiele verliehen.

In den bald fünfzig Jahren ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hat Jorge nicht nur dreizehn Romane verfasst, sondern auch einige Kinderbücher, Erzählungen, Theaterstücke, Gedichte und Essays, die ins Spanische, Französische, Englische und Deutsche übersetzt wurden. „Die Kritik am europäischen Kolonialismus gehört zu den Grundthemen der Literatur von Lídia Jorge, ebenso wie die Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit und Armut, mit der Diskriminierung von Frauen, mit Rassismus oder mit der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974“, heißt es in der Jurybegründung.

„Zeugin der Zeiten und der Räume“

Als „Zeugin der Zeiten und der Räume“ widme sie sich häufig „dem Bericht, der Wiedergabe des Gesprochenen und Erzählten, dem Bekenntnis, mitunter auch in einer Art von Polyphonie, mit kurzen Sätzen, Zitaten von Gedichten und Wörtern aus dem Spanischen, Französischen, Englischen oder Italienischen“, so die Jury, die aus Cristina Beretta, Thomas Keul, Thomas Macho, Marlene Streeruwitz und Andrea Zederbauer bestand.

„Lídia Jorge ist eine der profiliertesten Schriftstellerinnen der europäischen Gegenwartsliteratur, ihr Werk ist ebenso vielseitig und verzweigt, wie ihre Themen bedeutend und allgegenwärtig sind“, wird Babler in einer Aussendung zitiert. „Seit vielen Jahrzehnten setzt sie sich mit ihren Texten in hochpoetischer Weise für die Gleichheit der Menschen und die Wertschätzung des Lebens ein.“

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Zahlreiche Preise und eigener Lehrstuhl

Lídia Jorge wurde 1946 in Boliqueime im Süden Portugals geboren, studierte französische Literatur in Lissabon und verbrachte während der Unabhängigkeitskämpfe einige Jahre in Angola und Mosambik. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen etwa „Erbarmen“ (2024) oder „Der Tag der Wunder“ (1992). Zuletzt erschien von der heute in Lissabon lebenden Autorin „Die Stunde der Nelken“ im Verlag Secession. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise, 2021 nahm Jorge eine Professur an der Universität Genf an, 2022 wurde an der University of Massachusetts Amherst der Lídia-Jorge-Lehrstuhl eingerichtet.

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, „das international besondere Beachtung gefunden hat, was durch Übersetzungen dokumentiert sein muss“, wie es heißt. Zuletzt ging der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur an die Französin Marie NDiaye (2023), die polnische Autorin Joanna Bator (2024) und den späteren ungarischen Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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