Weinviertel im Wachstum: Mistelbach setzt auf Wachstum

Wirtschaft

Es ist ein gewöhnlicher Werktag als der Parkplatz des neuen XXXLutz-Einrichtungshauses in Mistelbach bereits gut gefüllt ist. 600 Stellplätze stehen zur Verfügung, viele Fahrzeuge tragen Wiener Kennzeichen. Manche Kunden haben eine Stunde Anfahrt hinter sich.

Seit der Eröffnung des 20.000-Quadratmeter-Standorts am 7. Mai verändert sich die Bezirkshauptstadt im Weinviertel spürbar. Doch das Möbelhaus ist nur ein Teil einer größeren Entwicklung: Rund 1.000 Wohnungen befinden sich nach Angaben der Stadtgemeinde derzeit in Planung, Genehmigung oder Bau. Die Immobilienpreise steigen. Und Bürgermeister Erich Stubenvoll (ÖVP) spricht offen von einem Wendepunkt.

„Das ist Marktlogik“

„Wo eine Gruppe wie XXXLutz investiert, kommen die anderen nach. Das ist kein Optimismus – das ist Marktlogik“, sagt Stubenvoll. Der Möbelriese habe bewusst auf Mistelbach gesetzt, obwohl andere Standorte zur Auswahl gestanden hätten. „Das sendet ein Signal an Investoren und Projektentwickler.“

Die Stadt setzt dabei auf ihre geografische Lage: Direktanbindung über die A5 und S2, 45 Minuten Zugfahrt nach Wien, eine historische Altstadt und die Nähe zu Weinbaugebieten. 

„Die starke Nachfrage im Mistelbacher Wohnbau erklärt sich aus der doppelten Anziehungskraft“, so Stubenvoll. „Wer aus der Region zuzieht, findet hier seine Hauptstadt mit Kaserne, Bezirkshauptmannschaft, Gericht, allen Schultypen bis zur Matura und einem Schwerpunktkrankenhaus. Wer aus Wien kommt, schätzt das Nitsch-Museum, die Schlösser der Umgebung, die Stille von Weinlagen und Wanderwegen.“

Kaufkraft zurück in die Region

XXXLutz beziffert die Zahl der durch den Standort geschaffenen direkten und indirekten Arbeitsplätze mit 525. Die Stadt geht davon aus, dass bis zu 22 Millionen Euro Kaufkraft jährlich in die Region zurückfließen könnten – Geld, das Mistelbacher Kunden bisher in Wien, Stockerau oder anderswo ausgegeben haben. Die jährliche Kommunalsteuer, die das Unternehmen an die Gemeinde abführt, beziffert Stubenvoll mit bis zu 270.000 Euro.

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„Mistelbach war einmal eine Stadt nördlich von Wien, die niemand so richtig auf dem Radar hatte. Das ist gerade in Änderung begriffen“, sagt Thomas Saliger, Unternehmenssprecher von XXXLutz. Das Unternehmen habe den Standort genau analysiert. „Die XXXLutz-Gruppe dankt der Stadt Mistelbach und allen voran Bürgermeister Stubenvoll für das tolle Engagement. Auch ihm ist es zu verdanken, dass der alte Möbelstandort wiederbelebt werden konnte.“

Kindergarten als Signal

Parallel zur Ansiedlung des Möbelhauses entsteht wenige hundert Meter westlich, entlang der Ebendorfer Straße, ein neues Wohngebiet. Ein Kindergarten ist dort bereits in Planung – ein Detail, das in der Immobilienwirtschaft als wichtiges Signal gilt: Wo die öffentliche Hand Infrastruktur für Familien schafft, folgt in der Regel die Nachfrage.

Neubauwohnungen kosten in Mistelbach derzeit zwischen 4.800 und 6.000 Euro pro Quadratmeter – etwa die Hälfte dessen, was in Mödling aufgerufen wird. Zum Vergleich: In Mödling liegen die Preise für Neubauwohnungen bei rund 10.000 Euro pro Quadratmeter, in manchen Lagen darüber.

„Investoren schätzen auch unser überdurchschnittlich großes Einzugsgebiet mit Korneuburg, Gänserndorf bis Brünn in Tschechien“, sagt Stubenvoll. Immobilienmarktforscher rechnen laut Gemeindeangaben mit einem Preisanstieg von vier bis sieben Prozent für Eigentumswohnungen in den nächsten zwei Jahren.

Vergleich mit Mödling

Die Entwicklung erinnert an jene in Mödling, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen rasanten Immobilienboom erlebte. Auch dort waren es Infrastrukturprojekte und die Ansiedlung großer Einzelhändler, die den Wandel beschleunigten. Baden und Klosterneuburg folgten ähnlichen Mustern.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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