Meinhard Lukas: „Die KI ist nicht viel mehr als ein stochastischer Papagei“

Politik

Er untersuchte die Vergangenheit des Eurofighterkaufs, lehrte und leitete das Juridicum in Linz, führt nun das Kepler Klinikum und macht sich mit der KI-Strategie des Landes Oberösterreich Gedanken über unser aller Zukunft. Meinhard Lukas, Professor für Zivilrecht, spricht über die Verführbarkeit des Menschen und wann wir „eher nicht gescheiter werden“.

KURIER: Wie sehr beeinflusst KI Ihren Alltag?

Meinhard Lukas: Ich bin ein Mensch, der viel mit Texten arbeitet. Egal ob im Management oder bei dem einen oder anderen journalistischen Ausflug. Ich habe immer eine der Anwendungen für KI offen, um Dinge prägnanter zu sagen. Ich finde KI auch als Informationsgrundlage in jeder Hinsicht großartig. 

Sie als Zivilrechtsprofessor gefragt: Haben die Unis schon eine Handhabe im Umgang mit KI?

Bestenfalls ansatzweise. Die Professorinnen und Professoren haben das Fach, das sie vertreten, meist analog gelernt. Das ist eine völlig andere Situation als für Digital Natives, die jetzt Jus studieren.

Wie haben Sie den Umgang mit KI gelernt?

Ich glaube, mein Berufsweg ist ein gutes Beispiel, wie man sich diesen Dingen gut nähern kann, weil ich in einem gewissen Zeitrahmen geboren bin und da Jus gelernt habe. Als junger Assistent für Zivilrecht an der Uni Linz bin ich ausschließlich mit Büchern sozialisiert worden. Es gab keine Datenbanken, keine KI, sondern nur den berühmten Hohenecker-Index. Ein Buch, das jährlich herausgekommen ist und in dem alle Publikationen und maßgeblichen Entscheidungen des Vorjahres abgedruckt waren. Es war mein Job als Assistent, Dinge im Hohenecker-Index zu suchen, zu kopieren und dem Professor zu faxen. Dann kam die erste Rechtsdatenbank. Österreich war unglaublich fortschrittlich, was diese Entwicklung betrifft. So bin ich ins Internetzeitalter gekommen. Heute stehen wir bei Anwendungen, die ChatGPT basiert Verträge machen. Damit bin ich ein Jurist, der alles bis zu KI-Lösungen von der Pike auf gelernt hat. 

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Gernot Kanduth, Chef der Richtervereinigung, hat im KURIER-Interview erzählt, womit die Gerichte konfrontiert sind. Menschen, die nicht anwaltlich vertreten sind, nehmen sich quasi die KI als Anwalt und stellen einen 400-seitigen Antrag auf Verfahrenshilfe. Geübt ist man im Umgang mit der KI noch nicht.

In meinem Alter begreift man, wie solche Dinge entstehen. Wenn man dann noch parallel versteht, wie die KI funktioniert, dann ist klar, was dabei herauskommt. Die KI ist nicht viel mehr als ein stochastischer Papagei, der irgendwelche Textsysteme in neu zusammengesetzter Form wiederholt. Der Vorteil von erfahrenen Juristinnen und Juristen ist, sofort zu erkennen, was sinnentleert ist und, wann das System halluziniert. Menschen, die mit 18 oder 19 Jahren heute an die Uni kommen, haben einen völlig anderen Zugang. 

Glauben Sie, dass Ältere besser mit der neuen Technologie umgehen können?

Sie wissen jedenfalls wesentlich besser, was nicht stimmen kann. Ein Hauptproblem bei juristischer KI ist der zeitliche Geltungsbereich von Gesetzen. Alle Rechtstexte sind im Netz und irgendwann werden sie Teil eines KI-Algorithmus. Die immense Herausforderung für die Entwickler solcher KI-Systeme ist, Veränderungen in der Gesetzgebung zeitlich zuzuordnen. Was die KI aus Rechtstexten macht – sie ist tatsächlich nur dieser stochastische Papagei, also plappert nach, was es schon irgendwo gibt. Ich kann die KI heute aber bereits relativ gut darauf trainieren, dass sie weniger …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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