Edstadler: „Landespolitik ist die Königsdisziplin“

Politik

Vor fast genau einem Jahr wechselte die damalige Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) von der Bundes- in die Landespolitik. Der KURIER traf die Landeshauptfrau in Salzburg zum Rück- und Ausblick.

KURIER: In einem Instagram-Posting zur WM ziehen Sie Parallelen zwischen dem Fußball und der Politik: Wenn man in der Halbzeit hinten liegt, könne man trotzdem noch gewinnen, sagen Sie. Haben Sie den Eindruck, dass Sie als Landeshauptfrau nach einem Jahr hinten liegen?

Karoline Edtstadler: Nein. Aber Schluss ist dann, wenn abgepfiffen wird. Bis dahin muss man sich die Kräfte einteilen und darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Nach einem Jahr als Landeshauptfrau kann ich sagen, dass mich nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringt.

Sie waren zuvor Ministerin, in Brüssel unterwegs und wurden sogar als ÖVP-Chefin gehandelt – jetzt sind Sie in der Landespolitik. Haben Sie es je bereut?

Landespolitik ist die Königsdisziplin. Damit ist natürlich ein emotionaler Aufwand verbunden. Man bekommt direkt und täglich Rückmeldungen von den Menschen – positiv wie negativ. In der Bundespolitik habe ich, wenn es Ärger gab, einfach zwei Tage lang keine Zeitung gelesen. Dann war der Sturm wieder vorbei. Hier geht das nicht, da gehen die Themen nicht einfach weg. Aber es ist eine der schönsten Aufgaben, die man haben kann. Und es ist jede schlaflose Nacht wert.

Von Ihrer Bürgernähe konnten Sie noch nicht jeden überzeugen. Sind Sie mit sich selbst zufrieden?

Bei meinen vielen direkten Kontakten mit Menschen bekomme ich sehr positive Rückmeldungen. Aber ja: „Einem jeden Recht getan ist eine Kunst, die niemand kann.“ Ich habe es einmal drastischer formuliert: „Ich muss nicht von jedem geliebt werden.“ Dafür habe ich Kritik geerntet, auch von meinem Vater. Natürlich würde ich gern von allen geliebt werden, aber das ist unmöglich.

  Hitze: Gewessler will freien Eintritt in Freibäder

Bleiben Sie dabei?

Ich habe lange über die Aussage und die Kritik nachgedacht. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich dabei bleibe. Dass Entscheidungen, die ich treffe, nicht jedem gefallen, gehört dazu. Wir leben – Gott sei Dank – in einer Demokratie. Ich habe konkrete Vorstellungen für Salzburg. Wir sind das schönste Bundesland – das darf ich in einem überregionalen Medium auch sagen –, wir sind ein Tourismus- und Wirtschaftsmotor. Den Status quo zu halten, ist budgetär herausfordernd, dennoch gilt es, dieses Ziel zu erreichen.

Sie meinten, die schlaflosen Nächte seien es wert. Was bereitet Ihnen denn schlaflose Nächte?

Wenn der Finanzminister (Markus Marterbauer, SPÖ, Anm.) uns Geld vorenthält, das den Ländern zusteht, werde ich emotional. Der Bund hat das Geld aus dem Resilienz- und Aufbaufonds der EU abgeholt, gibt es aber nicht weiter. Das ist indiskutabel. Der Föderalismus ist kein lästiges Anhängsel, sondern sorgt dafür, dass die Bedürfnisse der Menschen gehört werden. Wenn einige Zentralisten in Wien am grünen Tisch Zahlen hin und her schieben, ist das eine – hier vor Ort Verantwortung zu tragen, ist etwas anderes.

Der Finanzminister hat sich mit Blick auf den Schuldenstand im Nationalrat bei der Vorgängerregierung bedankt – und zwar mit dem Satz „Danke für nichts“. Sie waren Teil der angesprochenen Regierung. Hat Marterbauer recht?

Ich finde, er hat eine absolute Grenze der Geschmacklosigkeit übertreten. Ich …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.