
Von Silvia Kargl
Eine Ballett-Gala, die hält, was ein festlicher Abend verspricht: Herausragende Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts, Virtuosität, Gold und Glitzer in alten und neuen Choreografien sorgten am Montag für Jubel und Ovationen in der Wiener Staatsoper.
Ballettdirektorin Alessandra Ferri widmete die schon Tradition gewordene Gala zum Saisonabschluss dem bedeutenden britischen Choreografen Sir Frederick Ashton (1904–1988). Den Reigen von hochkarätigen Tänzen voller Schönheit eröffnete die Wiener Erstaufführung von „Rhapsody“ zu Rachmaninows „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“, als Spätwerk Ashtons 1980 im Auftrag des großen Tänzers Mikhail Baryshnikov entstanden. Cassandra Trenary und António Casalinho wirbelten in dynamischem Tempo, mit tollen Schritten und Sprüngen über die Bühne. Zwölf weitere Tänzerinnen und Tänzer gefielen in jenen Stellen, die bei ihnen tatsächlich leichtfüßig aussehen. Dass Ashton dafür auch von berühmten Klassiker-Choreografien inspiriert war, ist durch Einflüsse wie aus „Dornröschen“ zu sehen. Es ist bekannt, dass er nahezu jede Aufführung dieses Balletts in London besuchte.
Goldener Klimt
Genau dieser Geist durchzog die Erstaufführung von Christopher Wheeldons 2008 entstandenem Ballett „Within the Golden Hour“. Der ebenso musikalisch choreografierende Wheeldon hat sich mit Ashtons Stil bis zu dessen Zeitgenossen George Balanchine beschäftigt und führt ihn in die Gegenwart. Zudem ist dieses Ballett zu Originalmusik von Ezio Bosso und zu Musik von Vivaldi (Solovioline: Volkhard Steude) von „goldenen Gemälden“ Gustav Klimts inspiriert, die Wheeldon in Bewegungen dezent weiterführt.
Einen Wien-Bezug gibt es auch zu Ashtons Pas de deux „Voices of Spring“ zum „Frühlingsstimmen-Walzer“ von Johann Strauß (Sohn). Den choreografierte er nicht aus der Wiener Walzer-Tradition heraus, sondern mit dem Blick von außen. Doch auch mit großen Hebefiguren und Unterbrechungen des Dreiviertel-Flusses bleibt es mit Laura Fernandez Gromova und Arne Vandervelde bei einer gefälligen Interpretation.
Das in Wien meistbekannte Ballett Ashtons ist „La Fille mal gardée“. Der Pas de deux und die begleitenden Tänzerinnen stehen hier auch für den britischen Humor, den er zu entfalten verstand. Zugleich lernt man ihn mit dem „Bändertanz“ als Bewahrer von Traditionen kennen.
Für weitere Höhepunkte sorgten Ketevan Papava mit ihrer ausdrucksstarken Interpretation des „Sterbenden Schwans“ in Michel Fokines Choreografie, wunderbar im Einklang mit dem Solo-Cellisten Peter Somodari, und der spektakuläre „Le Corsaire“-Pas de deux mit Liudmila Konovalova und dem Étoile des Pariser Opernballetts Paul Marque als Gast. Im Ausschnitt aus „Diamonds“ aus Balanchines „Jewels“ begeisterten Olga Esina und Victor Caixeta. Am Dirigentenpult des Orchesters der Wiener Staatsoper stand der umsichtige David Coleman.
Source:: Kurier.at – Kultur



