Die USA werden unter Trump 250 Jahr alt – Ist das „GREAT“?

Politik

Unabhängigkeit, Freiheit, persönliches Glück – mit vor 250 Jahren noch undenkbaren Versprechen für ihre Bevölkerung betraten die Vereinigten Staaten von Amerika die politische Weltbühne. Kommenden Samstag, den 4. Juli, feiert der mächtigste Staat der Welt wieder Geburtstag. Ob die einstigen Ziele erreicht wurden und wie sehr die Demokratie in Zeiten von Trump und Co. gefährdet ist, versucht der Historiker Hiram Kümper auf den Grund zu gehen.

KURIER:  Laut einer Umfrage wissen 53 Prozent der Amerikaner nicht, warum sie am 4. Juli den Unabhängigkeitstag feiern – also von wem und warum sie unabhängig wurden. Was aber immer zelebriert wird, ist die Idee der Freiheit.

Hiram Kümper: Freiheit ist ein großer Begriff, man kann ihn sehr unterschiedlich sehen. Viele Amerikaner verstehen Freiheit bis heute vor allem als Freiheit von, nämlich von staatlicher Einmischung. Das gehört schon zur Gründungsgeschichte. Die USA fußen im Gegensatz zu vielen Nationen in Europa ja nicht auf einer gemeinsamen, jahrhundertealten Geschichte. Was die Nation zusammenbrachte, war nicht ein gemeines Für, sondern ein gemeinsames Gegen – gegen die Briten. Das hat die eigentlich sehr, sehr unterschiedlichen Kolonien geeint. Deshalb auch dieses Misstrauen gegenüber dem Staat. In Europa denken wir häufig anders. Wir denken bei Freiheit vor allem durch den Staat – an den Staat als ermöglichende Struktur, die für soziale Sicherheit und eben unsere Freiheit garantiert.

1776 war ein Fünftel der damaligen Bevölkerung Sklaven. Da war das Thema Freiheit offensichtlich überhaupt kein Thema…. 

Nein, das gehört zu einem der Widersprüche, die nicht nur in die Unabhängigkeitserklärung, sondern auch in die Verfassung von 1787 eingebaut worden sind. Die Gründungsväter sahen den Widerspruch durchaus, aber sie institutionalisierten ihn dennoch. Jefferson ist ein gutes Beispiel für moralische Unruhe bei gleichzeitiger Weigerung, Konsequenzen zu ziehen; die Verfassung von 1787 schloss Frauen, Afroamerikaner, Indigene und Besitzlose politisch aus.

  Kinderhandel bei Onlinehändler Vinted? Ermittlungen in Frankreich

Auch George Washington hatte Sklaven, auch wenn er testamentarisch verfügt hatte, dass nach seinem Tod alle Sklaven freigelassen werden sollten.

Ja, aber auch er hat sich nicht grundsätzlich gegen Sklaverei ausgesprochen.

Die zweite große – damals noch ungewöhnliche – Idee in der Unabhängigkeitserklärung war die einer Demokratie. 

Ich würde vorsichtiger sagen: Die große Idee war nicht Demokratie im heutigen Sinn, sondern Republik und Volkssouveränität. Die Gründerväter wollten keine ungefilterte Herrschaft der Mehrheit.

Viele von ihnen fürchteten das, was sie „Demokratie“ nannten: Leidenschaften, Fraktionen, Mehrheitswillkür. Deshalb bauten sie Filter ein — Repräsentation, Senat, Präsident, Wahlmänner, Gerichte, Föderalismus. Das amerikanische System ist also von Anfang an ein Experiment: Volkssouveränität ja, aber gebändigt durch Institutionen.

Wann wurden die USA zu einer richtigen Demokratie? 

Das hängt davon ab, was man unter Demokratie versteht. Für weiße Männer weitete sich politische Teilhabe schon im frühen 19. Jahrhundert stark aus. Aber eine Demokratie im modernen, inklusiven Sinn wurden die USA sehr viel später — und nie in einem einzigen Schritt. Nach dem Bürgerkrieg kamen Freiheit, Staatsbürgerschaft und formal das Wahlrecht für Schwarze, aber Jim Crow machte vieles davon wieder zunichte. Frauen erhielten 1920 das Wahlrecht.

Wirklich durchgesetzt wurde das Wahlrecht für Schwarze im Süden erst mit der Bürgerrechtsbewegung und dem Voting Rights Act von 1965. Man sollte also nicht von einem Datum sprechen, sondern von einem langen, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.