Wiener Opernsommer: Pragmatische „Carmen“ mit einem vokalen Lichtstrahl

Kultur

Die spanischen Fahnen hätten nichts damit zu tun, was am Vorabend der Aufführung passiert ist, stellt Joji Hattori klar. Damit meint er den Sieg Spaniens über Österreich bei der Fußball-WM. Die Beflaggung gehört natürlich zu Georges Bizets „Carmen“, die der Dirigent in der dritten Ausgabe seines Wiener Opernsommers auf dem Gelände des Wiener Eislaufvereins zeigt. 

Die Inszenierung

Manfred Waba fertigte dafür einen Bühnenaufbau, der fast die Fassade des Konzerthauses verdeckt. Das Szenario ist wie dessen Bühnenbilder, die er früher für die Oper im Steinbruch im burgenländischen St. Margarethen aufgebaut hat, nämlich gigantisch, mit einem Überhang zum Kitsch, aber sehr praktisch. Aufgemalte Stierkampfszenen, Blumentöpfe, ein Springbrunnen, allerlei Vasen wirken wie aus einem Versandhauskatalog für kostengünstige Gartenutensilien. 

Dominik am Zehnhoff-Söns beschränkt seine Inszenierung auf das Organisieren des Ensembles mit den Einschüben eines Erzählers. Der wird von Hosea Ratschiller übernommen. In der Maske des Komponisten führt er in sehr einfachen Sätzen durch das Geschehen. 

Die Stimmen

Isabel Leonard zeigt eine unnatürlich unnahbare, blasse Carmen. Auch vokal hält sie sich zurück. Ihre Habanera wirkt wie ein Vortrag, ihre Kartenarie gerät pragmatisch. Im Finale tritt sie Don José wie eine Lehrerin gegenüber, die zu ihrem schlimmen Schüler sagt, dass es jetzt genug sei. Dumitru Mitu wirkt im Finale mehr wie Wozzeck als wie Don José, den er (alternierend mit Oreste Cosimo) verkörpert. Seine Blumenarie intoniert er passioniert. 

Paul Armin Edelmann ist ein souveräner Escamillo. Die vokalen Lichtstrahlen gehen in dieser Produktion von Gabriela Hrženjak als Micaëla aus. Alexander Dimitrov ergänzt als ausbaufähiger Zuniga. 

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Der Philharmonia Chor Wien zählt zu den erfreulichsten Erscheinungen auf der Bühne. Die Damen und die Herren singen mit Ausdruck, ausgewogen und wortdeutich. Joji Hattori vermeidet am Pult des Wiener Kammerorchesters übertriebene Effekte, setzt auf Schönklang und wurde wie alle auf der Bühne ausführlich beklatscht.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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