
Für etliche Stunden sah es so aus, als werde Donald Trump am 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten von einer höheren Macht ausgebremst, die sich nicht per Dekret oder Großbuchstaben bezwingen lässt: vom Wetter.
Über der „National Mall“, dem nationalen Vorgarten Amerikas in Washington, stand erst die 40-Grad-Hitze wie eine Wand, dann kamen Blitze, Wind und Regen.
Der Präsident hatte aus dem traditionellen 4. Juli eine „Salute to America“-Show mit sich selbst als Hauptattraktion gemacht. Ganz am Ende, kurz vor der Geisterstunde, bekam er seine Bühne. Bis dahin war dieser Nationalfeiertag in der Hauptstadt für zehntausende Gäste kein patriotisches Hochamt – sondern eine Strapaze, die manche kollabieren ließ.
Verschärfte Sicherheitsregeln
Schon am Nachmittag begann das Hin und Her. Wegen der Hitzewarnung blieb der Bereich um das Washington Monument lange geschlossen. Gleichzeitig bildeten sich an wenigen Flaschenhals-Kontrollpunkten Schlangen über mehrere Häuserblocks. Die Temperatur kletterte auf mehr als 100 Grad Fahrenheit. Menschen standen in Rot, Weiß und Blau in der Sonne, schweißnass, erschöpft, wütend. Die Sicherheitsregeln verschärften die Lage: keine Kühlboxen, kein Essen, kein Wasser, keine Camping-Stühle, keine größeren Taschen. Was sonst ein lockeres Picknick auf der Mall ist, wurde zur Hochsicherheitszone.
Trumps Rede zwischen Tagesprogramm und Feuerwerk veränderte die Choreografie. Wer ihn sehen wollte, musste früh kommen und lange bleiben. Wer nur das Feuerwerk wollte, wurde in dasselbe Sicherheitslabyrinth gezwungen. Viele Straßen waren gesperrt, Zäune versperrten Sichtachsen. Sehenswürdigkeiten wie das Weiße Haus – abgeriegelt.
Am Morgen war zudem ein anderes Bild durch Washington gezogen: Hunderte maskierte Männer der rassistischen „Patriot Front“ marschierten mit Trommeln, Schildern und teils konföderierten Fahnen durchs Regierungsviertel. Sie riefen: „Holt Amerika zurück!“ Niemand hielt sie auf.
Schwere Stürme und Böen
Dann zeigte der Himmel, wer Regie führte. Stundenlang hatten kleine, große und riesige Militärflugzeuge die Stadt überflogen, Fallschirmspringer schwebten mit US-Flaggen über der Mall. Doch gegen 19 Uhr ordneten Park Police und andere Behörden die Räumung an. Der Wetterdienst warnte vor schweren Stürmen und Böen bis 75 Meilen pro Stunde. Tausende sollten Schutz in Museen und Bundesgebäuden suchen. Allein, einige der genannten Gebäude waren verschlossen. Wer gerade angekommen war, wurde abgewiesen. Wer stundenlang gewartet hatte, wollte nicht gehen. Polizisten pfiffen, schrien, winkten. Die Anweisungen widersprachen einander.
Viele Gäste nahmen das nicht mehr sportlich, bei vielen lagen die Nerven blank. Marcus Demario, der mit Frau und Teenager-Sohn eigens aus Texas angereist, war empört: „Wir sind den ganzen Weg hierher zur Veranstaltung zum 4. Juli gekommen, haben uns ein teures Hotel gebucht, und jetzt kommen wir nicht rein. Das Ganze ist nicht wirklich gut organisiert.“
Trump aber wollte nicht aufstecken. Kurz nach 21 Uhr schrieb er, die Veranstaltung werde stattfinden, selbst wenn er um zwei Uhr morgens reden müsse. Um 21.30 Uhr teilte die Trump-nahe Organisatoren-Gruppe „Freedom 250“ mit, die Eingangsschleusen würden wieder geöffnet, Trump werde ab 23 Uhr sprechen. Viele stellten sich im Regen erneut an. Hunderte Regenschirme wurden beschlagnahmt.
Rede aus dem Standard-Baukasten
Als Trump gegen 23.15 Uhr auf die Bühne trat, war es fast wie immer – eine Rede aus seinem Standard-Baukasten: Gründerväter, Schlachten, Fahnen, Kriegshelden, Astronauten, Pathos, Eigenlob, Feindmarkierung. „Seit 250 Jahren sind die Vereinigten Staaten die Hoffnung, das Versprechen, das Licht und der …read more
Source:: Kurier.at – Politik



