Zwischen allen Fronten

Kultur

Susanne Schröter ist eine mutige Frau. Bereits mit ihrem Buch „Der neue Kulturkampf“ (2024) hatte sie schonungslos analysiert, „wie eine woke Linke Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht“. Nun legt sie gewissermaßen noch eins drauf: „Links, rechts, islamistisch“ heißt ihr neues Buch über die „wahren Feinde der Demokratie“. Es sind im Übrigen nicht oder nicht primär jene, welche die selbsternannten Verteidiger „unserer liberalen Demokratie“ ausmachen.

Wobei, wie ja schon der Titel erkennen lässt, Schröter keineswegs die Gefahren von rechts gering veranschlagt. Sie zeichnet genau und kenntnisreich die Vernetzungen der rechtsextremen Szene nach, zitiert jede Menge Abgründiges und Erschreckendes.

Und natürlich befasst sie sich ausführlich mit dem Aufstieg der AfD. Diesen beschreibt sie als Folge einer „Repräsentationslücke“: Wenn sich ein nicht unbeträchtlicher Teil des Elektorats von den traditionellen Parteien, insbesondere den sogenannten Volksparteien, nicht mehr vertreten fühlt, sucht er sich eine „Alternative“ zu einer ihm als „alternativlos“ verkauften Politik. Dazu kommt das notorische „Messen mit zweierlei Maßstäben“ bezüglich rechter wie linker Causen, welches ebenfalls der AfD in die Hände spielt.

Vor allem aber weist die Autorin zurecht darauf hin, dass das politmediale Establishment von Anfang an – gegen die Warnung einiger weniger Besonnener – auf die Gründung der AfD (2013) mit „einer platten Dämonisierung“ reagiert hat: „Obwohl weder die Parteigründer noch das Parteiprogramm extremistisch waren, wurde der AfD genau dies von Anfang an zugeschrieben.“

Aber, wie schon gesagt, anders als es große Teile des öffentlichen Diskurses nahelegen, ist die Demokratie keineswegs nur von dieser Seite herausgefordert. Sorge macht der Autorin insbesondere die Verbindungen linker mit islamistischen Strömungen. Sie sieht in der historischen Perspektive die „antiimperialistische Konnotation eines Kampfes gegen einen Westen, der den Muslimen den von Gott gewollten Sieg über die Welt gestohlen hatte“. Und: „Diese Erzählung war anschlussfähig an eine Linke, die sich ihrerseits als Gegner des Westens verstand, dem sie selbst angehörte. Hier liegen die Wurzeln eine links-islamischen Querfront, die von einer Glorifizierung Khomeinis […] bis zur Verteidigung der Hamas reicht.“

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Größenwahn – Selbsthass

Der Ausblick, den Susanne Schröter bietet, stimmt den Leser nicht sonderlich optimistisch. Der westlichen Welt diagnostiziert sie eine „Mischung aus Größenwahn und Selbsthass“: Vor allem der „weiße, männliche und heterosexuelle Mensch“ mache sich „unentwegt schuldig“. Keine gute Basis für eine Rückbesinnung, aus der ein neues Selbstbewusstsein entstehen könnte. Ob die politischen „Akteure der Mitte“ noch die Kraft dazu aufbringen, wie von der Autorin postuliert, „das häusliche Biedermeier zu verlassen, Position zu beziehen und streitbar zu werden“, erscheint angesichts der handelnden Personen äußerst fraglich.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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