Das Land und seine Zeitgenossen: Eine Reise zur Kunst im öffentlichen Raum

Kultur

Ein heißer Wind weht über die Anhöhe oberhalb von Paasdorf im Weinviertel. Von hier sieht man sanfte Hügel, Felder, Traktoren, viele Windräder – und ein etwa zehn Meter langes Stück Autobahn in einer Senke im Boden.

Die „Fake-Ausgrabungsstätte“, wie sie Katrina Petter nennt, ist ein Werk des Künstlerpaars Prinzgau/Podgorschek. Ein Anstoß, darüber nachzudenken, was einmal von unserer Zivilisation erhalten bleiben könnte. 

Doch das artifizielle Straßenstück, das im Jahr 1995 gebaut wurde, ist bereits heute ein signifikantes Denkmal: Denn hier, oberhalb von Paasdorf in der Gemeinde Mistelbach, liegt die „Wiege der Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich“, wie Petter, seit 2004 Mitarbeiterin der Institution und seit 2018 deren Leiterin, erklärt.

Am Bau und am Land

Die Art und Weise, wie zeitgenössische Kunst in Österreichs größtem Bundesland in öffentlichen Gebäuden, entlang von Straßen und auf dörflichen Plätzen eingebunden wird, ist das Ergebnis einer kulturpolitischen Weichenstellung, die 30 Jahre zurückliegt und sich für andere Bundesländer als vorbildhaft erweisen sollte. 

Am 1. Juli 1996 trat das NÖ Kulturförderungsgesetz in Kraft, das Rahmenbedingungen für die Schaffung, aber auch die Vermittlung und Betreuung von „originärer Kunst im öffentlichen Raum“ definierte.

Das Gesetz entkoppelte die Förderung künstlerischer Gestaltung von der direkten Bindung an eine Bauaufgabe („Kunst am Bau“). In der Folge entstand eine Struktur, die aus Geldern der Landesabteilungen für Wohnbau, Straßenbau sowie jener für Schulen und Heime gespeist wird. Mit rund 800.000 Euro jährlich lobt die Einrichtung Projekte aus, führt Wettbewerbe durch und fördert die Umsetzung von Kunstwerken – aber auch deren Vermittlung und Erhaltung.

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In der „Kulturlandschaft Paasdorf“, die ab Mitte der 1990er unter dem Kulturstadtrat und späteren Bürgermeister Mistelbach, Christian Resch (1956–2020), entwickelt wurde, finden sich neben der „Entdeckung der Korridore“ – so der offizielle Name des Straßenstücks – u. a. das „Mahnmal für verlorene Artenvielfalt“ (1999). Es ist ein Steinblock, in den die Künstlerin Ingeborg Strobl (1949-2017) die Zahl der in Niederösterreich verbreiteten Rinderrassen einmeißeln ließ. Von 14 im Jahr 1880 ging deren Zahl auf drei im Jahr 1997 zurück. „Biodiversität, Artenvielfalt, Bodenversiegelung – diese Themen sind heute genauso relevant“, sagt Petter.

Es hat sich aber auch vieles verändert in der Region. Windräder standen Mitte der 1990er noch nicht hier, die Geräuschkulisse hat sich durch sie verändert. 

Als 2023 das „Klangatoll“ neu eröffnet wurde, nahm man darauf Rücksicht: Die in einem Erdwall vergrabene Installation des Duos Andrea Sodomka und Martin Breindl, die Naturklänge mit fremdartigen Zivilisationsgeräuschen kombiniert, war 1996 Teil der ersten Kunst-Generation und wurde aufwändig restauriert. Der Strom für die eingegrabenen Lautsprecher kommt jetzt aus einer Solaranlage.

Natur und Politik

Kunstwerke im öffentlichen Raum befinden sich in einem anderen Kräftefeld als solche, die in dafür geschaffenen Räumen – Museen, Galerien oder Skulpturenparks – aufgestellt werden. Am Land hat zeitgenössische Kunst zusätzlich mit den Kräften der Natur zu tun – und teils mit dem Vorurteil, dass sie ein Fremdkörper sei, hingesetzt nach den Kriterien einer städtischen, womöglich elitären Denkerblase.

Petter und ihr Team sind sich der Konfliktfelder bewusst und haben ihre Vermittlungsaktivitäten darauf fokussiert, die Kunstwerke vor Ort verständlich zu machen, anstatt sie bloß als Ausflugsziele für neugierige Stadtbewohner zu positionieren (wobei diese freilich auch Zielgruppe sind).

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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