Machtwechsel in Israel? Dieser Mann könnte Netanjahu gefährlich werden

Politik

Alle Welt kennt Benjamin Netanjahu: sechsmal in 19 Jahren zum Premier Israels gewählt. Totgesagt und immer wieder auferstanden. Doch im jetzigen Wahlkampf fällt Israels Übervater zurück. Die neue Partei Jaschar (Ehrlich) liegt seit Monaten fast gleichauf mit der Regierungspartei Likud, in der jüngsten Umfrage des israelischen Senders Kanal 13 führt sie sogar. Würde jetzt gewählt, käme Jaschar auf 23 Mandate, der Likud auf 22. Drittstärkste Kraft wäre die Partei Naftali Bennetts (15 Sitze).

Auch im direkten Beliebtheitsvergleich sticht der Chef von Jaschar, Gadi Eisenkot, Netanjahu aus: Auf die Frage, wer sich besser als Regierungschef eigne, entschied sich knapp die Hälfte der Befragten für Eisenkot statt für Netanjahu.

Wer ist dieser Gadi Eisenkot?

„Er ist einfach das Gegenteil von Netanjahu“, fasst ihn die Zeitung Maariv zusammen. Also nicht sprachgewandt, kameratauglich und Massen faszinierend. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen Politiker. Doch mit Nüchternheit und Sachlichkeit überzeugte er schon als Armeechef. „Niemand kann wie er Langeweile in Charisma umsetzen“, findet die Zeitung Yedioth. Ein Mann ohne Posen, ohne Make-up-Artist im Gefolge. Nicht leutseliger Haberer, sondern der Kamerad seines Chauffeurs, mit dem er an der Front kämpfte.

Eisenkot bringt noch andere Eigenschaften mit, die ihn volksnah machen und nicht nur so erscheinen lassen. Im Gegensatz zu Netanjahu diente er nicht bei der Fallschirmjägerelite. Er war bei den Sandlatschern und Stoppelhopsern der Golani-Brigade. Im Generalstab stach sein braunes Barett unter den vielen roten immer heraus. Er reformierte die Armee in Richtung Digitalisierung und neuen Technologien, wobei er auf Distanz zur politischen Führung Wert legte.

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Sohn von Einwanderern

Volksnähe? Eisenkot wuchs in Eilat auf. Weiter von der Yuppie-Blase Tel Aviv geht nicht. Seine Eltern wanderten aus Marokko ein. Israels größte Einwanderergruppe und auch die sozial schwächste. Hier hat Netanjahus Likud seine Stammwähler. „Einer von uns, was unbestreitbar ein Vorteil für ihn ist“, befand der Bürgermeister von Dimona. Auch er ein Marokkaner. 

Vor allem aber: Ein Sohn Eisenkots fiel 2023 im Gazakrieg. Wie auch zwei Neffen. Das bringt mehr als Sympathie. Es weckt Empathie.

Netanjahu tut sich dagegen schwer: Er greift die politische Konkurrenz immer mit übelster Nachrede an. Von „Verräter“ über „Elitisten“ bis zu „Waschlappen“ ist alles zu erwarten. Vorwürfe, die an Eisenkot nicht nur abperlen, sondern den Angreifer perfide aussehen lassen. 

An Israels Polit-Himmel steigen schnell Meteore auf und verlöschen genauso schnell. Benny Gantz, Naftali Bennett, Jair Lapid – Herausforderer Netanjahus, die ihn sogar besiegen konnten. Sie strahlten und verlöschten – im andauernden Sonnenglanze Netanjahus. Hat Eisenkot das Zeug, gegen ihn zu bestehen?

Rechte Wähler in die Mitte holen

Er muss rechte Wähler in die Mitte holen, ohne liberale und linke Wähler zu vergraulen. Zu diesem Spagat muss ein Mindestprogramm her. Für alle annehmbar, die Netanjahu weghaben wollen. Ein erster Plan – zur Räumung der Ruinen, die Netanjahu hinterlässt. 

Es geht um die Blöcke. Nicht um die Parteien, nicht um die Führung. Auch die ist im Nur-nicht-Bibi-Block noch ungeklärt. Mehrere Kandidaten stehen bereit, doch Eisenkot hat bei den Wählern die größten Chancen. Naftali Bennett, der Ex-Premier und Ex-Besieger Netanjahus, hat bereits Verzicht durchblicken lassen: Das Ziel ist wichtiger als Ego.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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