„Am Boden zerstört“: Niemand verliert so verlässlich wie England

Sport

Three lions on a shirt, 
Jules Rimet still gleaming
Thirty years of hurt
never stopped me dreaming
Baddiel, Skinner, The Lightning Seeds, 1996

Der Text von „Three Lions“ ist ungewöhnlich für einen Fußball-Song. Erzählt er doch nicht von Optimismus, sondern von der Erinnerung an den einzigen WM-Titel der Engländer 1966 und den seit damals regelmäßig folgenden Enttäuschungen. Die Engländer sind das Verlieren gewohnt – und doch schmerzt es jedes Mal fürchterlich, mittlerweile seit 60 Jahren.

2021 verloren die Engländer gegen Italien ein schon gewonnen geglaubtes EM-Finale im Wembley-Stadion noch im Elfmeterschießen. Nur zwei von fünf englischen Schützen trafen vom Punkt.

2024 stand man wieder im Finale, diesmal in Berlin gegen Spanien. Wieder wurden die Hoffnungen auf einen großen Titel zerstört. Vier Minuten vor dem Ende spitzelte Oyarzabal den Ball ins Tor.

2026 war man ganz nah dran am ersten WM-Finale seit 1966. Bis zur 85. Minute führten die Three Lions. Doch es kam, was sich in den Minuten zuvor abgezeichnet hatte – und was immer kommt. Die Engländer warfen den Sieg weg, Tore von Fernandez (85.) und Martinez (92.) stürzten das Team von Thomas Tuchel in den Abgrund.

„Herzzerreißender Abschied“

„Je schöner die Reise, desto herzzerreißender ist der Abschied“, fasste Jude Bellingham zusammen, nachdem er mit seinen Mitspielern minutenlang auf dem Rasen gestanden war. Für Kapitän Harry Kane und seine Engländer geht das Turnier im Spiel um Platz drei am Samstag gegen Frankreich zu Ende. „Ich bin am Boden zerstört, weil wir so hart dafür gearbeitet haben, hier zu sein, und die Jungs alles gegeben haben an Kraft, Blut, Schweiß und Tränen“, sagte der Stürmer. „Dass wir es dann doch nicht geschafft haben, ist niederschmetternd.“

  Schwerer Sturz überschattet die 12. Etappe der Tour de France

Die sonst so gnadenlosen britischen Medien hielten sich mit Untergriffen (vorerst) zurück, auch sie litten mit. „Es ist schon wieder passiert. Die Three Lions verlieren ihr drittes WM-Halbfinale nacheinander, und diese Niederlage schmerzt besonders“, schrieb die Daily Mail. „Martinez’ Kopfball bricht das Herz der Three Lions“, berichtete die Sun. Der Telegraph schrieb: „Als England fünf Minuten vor Schluss in einem WM-Halbfinale führte, hatte man das Gefühl, dass es diesmal vielleicht anders sein könnte.“

Es kam nicht anders.

They believed

Der Trainer glaubte es, die Spieler glaubten es, ganz England glaubte an den Titel, an ein Ende von 60 Jahren Schmerz und Leid. Bis zur 85. Minute. Dann kam es, wie es immer kam. „Jetzt müssen wir vier weitere Jahre warten“, sagte Thomas Tuchel. Dann verschwand er mit seinem Team in der Kabine. Dort sollen Tränen geflossen sein. „Nichts, was man da sagt, kann die Enttäuschung und den Schmerz nehmen“, sagte der Deutsche.

Keine Nation leidet so schön und so dramatisch wie England. Und die Fans der Three Lions werden sich ihren sarkastischen Optimismus auch bei der nächsten WM in vier Jahren nicht nehmen lassen, wenn sie wieder singen:
We still believe, we still believe.
We still believe, we still believe.
It’s coming home, it’s coming home.
It’s coming, Football’s coming home.

…read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.