
Mit seiner unangepassten Art kommt Pfarrer Hans Reiser (Stephan Zinner) nicht bei allen gut an – vor allem seinem Vorgesetzten, Kardinal Brunnenmayr (Erwin Steinhauer), beschert er oft Kopfschmerzen. Denn Reiser gibt nicht viel auf Konventionen, fährt am liebsten mit dem Motorrad durch die Gegend und ist trotz Zölibats mit einer Frau liiert.
In der zweiten Staffel von „Himmel, Herrgott, Sakrament“ (zu sehen ab Mittwoch, 20.15 Uhr in ORF 2) stößt er den Kardinal erneut vor den Kopf: Als der aus Syrien stammende Shamun Aboud (Samer Maku) mit seiner Familie auftaucht, entschließt sich Pfarrer Reiser dazu, Kirchenasyl zu gewähren. Und plant dann auch noch eine Segnungsfeier für zwei Frauen, die seit 50 Jahren zusammen sind – „mit 49-jähriger Unterbrechung“, wie sie sagen. Eine von ihnen ist ausgerechnet die Schwester des Kardinals, der darüber gar nicht erfreut ist.
Publikumshit
Für Konflikte ist in den neuen sechs Folgen also gesorgt. Die bayerische Serie (Regie: Franz Xaver Bogner) entpuppte sich in der ersten Staffel als Publikumshit – sowohl der BR als auch der ORF vermeldeten erfreuliche Quoten: Letzterer erreichte mit „Himmel, Herrgott, Sakrament“ im Schnitt 723.000 Zuseherinnen und Zuseher bei 33 Prozent Marktanteil.
„Ich glaube, der Pfarrer ist eine Figur, die immer noch eine ganz besondere Position hat“, sagte Hauptdarsteller Zinner im KURIER-Gespräch über den Erfolg der Serie. „Die Grenzen, die der Rahmen der Kirche mit sich bringt, schaffen einen geeigneten Raum für eine Geschichte, die dann die eine oder andere Mauer umschmeißt. Darum ist das interessant als Filmsetting.“
Als reales Vorbild für „Himmel, Herrgott, Sakrament“ diente das Leben des Münchner Pfarrers Rainer Maria Schießler, der immer wieder offen Kritik an der Kirche übt. „Es war interessant, ihn beim Gottesdienst zu besuchen, ihn in der Gemeinde und mit den Leuten zu sehen“, so Zinner.
Mit Susi Stach
Der Schauspieler selbst („Polizeiruf“, Eberhofer-Krimis) sei evangelisch aufgewachsen und nun „nirgendwo mehr eingetragen“. Sich für die Rolle mit Kirche und Glauben zu beschäftigen, habe aber „gar nicht geschadet“.
Erneut zu sehen sind in der zweiten Staffel auch zwei prominente Gesichter aus Österreich: Susi Stach gibt wieder die resolute Stadträtin Cornelia Vogelsang, Erwin Steinhauer den konservativen Kardinal Georg Brunnenmayr. Der hat Reiser ursprünglich in die bayerische Landeshauptstadt geholt, weil ihm zu Ohren gekommen ist, dass er bei den Menschen gut ankommt. Doch ganz so glücklich ist der Kardinal mit seiner Wahl nicht, wie Steinhauer vom BR zitiert wird: „Bald zeigt es sich, dass der Pfarrer mit seinen liberalen Ansichten und Methoden und seiner aufgeklärten Weltsicht mit vielen Dogmen der Kirche in Konflikt gerät. Mehr und mehr vertieft sich die Kluft zwischen den beiden.“
Bewunderung
Steinhauer selbst habe durchaus Zugang zum Thema Kirche: Als Ministrant habe er „genügend Einblick“ in die Schwierigkeiten einer Pfarrei gehabt, „wo ein Kaplan, ein junger, liberaler Priester, der sehr gut bei uns Jugendlichen ankam, mit den strengen Dogmen der Kirche in Konflikt geriet.“ Ähnlich wie es in der Serie auch Pfarrer Hans Reiser in „Himmel, Herrgott, Sakrament“ geht. „Ich glaube, dass Kardinal Brunnenmayr tief in sich doch einen liberalen Kern hat und er heimlich die Arbeit des Pfarrers bewundert.“
Source:: Kurier.at – Kultur



