VÖZ-Präsident Nowak: „Bin nicht der natürliche Feind des ORF“

Politik

Rainer Nowak, Geschäftsführer der Tageszeitung Die Presse, ist seit Juni Präsident des Verbands österreichischer Zeitungen (VÖZ). Er hat diese Funktion zu einem Zeitpunkt übernommen, da die Medienbranche in einer schweren Krise steckt.

KURIER: Herr Nowak, Sie haben das Amt des VÖZ-Präsidenten übernommen. Ist es nicht ein Harakiri-Job, in Zeiten wie diesen den Verband österreichischer Zeitungen zu führen? Wir wissen alle, dass es den Medienhäusern und dem Medienstandort Österreich insgesamt nicht sehr gut geht.

Rainer Nowak: Das stimmt. Allerdings macht es das auch interessant, so eine kleine Mission impossible anzutreten. Ich habe gleich bei meinem Antritt gesagt, dass ich in meinem Leben auch viel Glück gehabt habe – karrieremäßig bei der Presse und in der Styria. Wenn ich jetzt in einer Notsituation etwas davon zurückgeben kann, dann hat das irgendwie auch mit Pflicht oder Loyalität zu tun.

Wenn man die KI nach dem VÖZ fragt, dann bekommt man als Antwort, dass der Verband eine Interessenvertretung ist, aber gegenüber der Politik sehr wenig Wirkung erzielt hat. Irrt da die KI oder hat nicht die Erfahrung gezeigt, dass sich die Politik lieber mit dem ORF beschäftigt als mit den privaten Medienhäusern?

Das ist fast schon gut so, dass sich die Politik eher mit dem ORF beschäftigt – nicht gut ist es für die ORF-Kolleginnen und -Kollegen – und quasi eine Distanz zu den Privaten hat. Das würde ich per se nicht negativ sehen. Aber in der Vergangenheit gab es schon mehrere Fördermodelle, wo die Politik sehr wohl auf VÖZ-Forderungen eingegangen ist. So negativ wie die KI würde ich das also nicht sehen.

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Aber als noch unter Türkis-Grün die Haushaltsabgabe für den ORF verhandelt wurde, da war es nicht möglich, im Interesse der Medienhäuser ein großes Paket zu verhandeln. Da ist nur für den ORF etwas herausgekommen.

Ich werde den Teufel tun und meine Vorgänger in irgendeiner Weise kritisieren. Tatsache ist, dass die Medienpolitik in dem Land – damals hat die ÖVP das Medienressort geführt – es verabsäumt hat, eine große Lösung zu finden, gleichsam eine Art Demokratieabgabe, die dann auf alle Medien verteilt wird. Das hat halt die Politik nicht haben wollen oder hat es vielleicht nicht geschafft. Aber ich diskutiere ungern über den ORF, ob es gerechtfertigt ist, dass er einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erhält oder nicht. Wir müssen uns um uns kümmern.

Derzeit ist SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler für die Medienpolitik zuständig. Haben Sie ihn schon getroffen?

Nein.

Ist wenigstens bereits ein Termin in Aussicht?

Bis jetzt noch nicht. Aber ich werde in den kommenden Wochen versuchen, ihn zu erreichen. Es gibt ja danach dieses große Zukunftsforum für den ORF. Es wird einen Termin mit Andreas Babler geben, mit seinem medienpolitischen Umfeld hatte ich natürlich bereits Kontakt.

Andreas Babler hat von Andreas Kaltenbrunner eine Studie über Journalismusförderung erstellen lassen. Gleichzeitig hat auch Reinhold Gmeinbauer ein Fördermodell für die ÖVP ausgearbeitet. Ist da etwas zu erwarten?

Ja, bei allen Ansätzen. Vor allem beim Papier von Reinhold Gmeinbauer ist für uns interessant, dass es für die Medien einen Fördertopf von 300 Millionen Euro geben soll. Ich wäre ein schlechter Lobbyist für die Medien, wenn ich das …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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