
Einfach einmal ein Atomkraftwerk besichtigen – dieses Vorhaben als kompliziert zu bezeichnen, wäre schwer untertrieben. Freilich, da wäre Österreichs einziges Atomkraftwerk Zwentendorf – es kann besucht werden, aber blieb unvollendet.
Anders das drei Autostunden von Wien entfernte, in der Slowakei liegende Nuklearkraftwerk Mochovce. Drei Atomreaktoren laufen, ein vierter soll im Herbst ans Netz gehen. Seit Juli läuft die Befüllung des Reaktors mit Brennstäben.
Schon von Weitem sind in der flachen Hügellandschaft rund um das Dorf Mochovce die riesigen, 125 Meter hohen Kühltürme des AKW zu sehen. Block 3 und 4 der Anlage dürfe besichtigt werden, heißt es vonseiten der Betreibergesellschaft Slovenské Elektrárne.
Schon Wochen zuvor hatten Passunterlagen und Sicherheitsverpflichtungen der Besucher geschickt und überprüft werden müssen, Privatpersonen haben eigentlich nie Zugang. Nur mit Unterstützung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) darf eine Gruppe von Journalisten aus aller Welt das AKW betreten.
Alkoholtest
Zunächst: Alle Laptops und Handys abgeben – nichts darf aus Sicherheitsgründen fotografiert werden, Zettel und Stift müssen zum Notieren reichen. Umziehen: Blauer Schutzanzug, orange Warnweste, Helm, Brille, Ohrschützer – keine Diskussion darüber, auch wenn es weit mehr als 30 Grad hat und der Schweiß bald in Strömen fließt.
Dann: Jeder, egal, ob Besucher oder Mitarbeiter, muss vor Betreten der inneren Anlage ins „Röhr‘l“ blasen – 0,0 Promille gilt für alle, die auch nur einen Schritt ins AKW setzen.
Riesige graue Stahlnetze sind an den Außenwänden des Gebäudes rund um Reaktorblock 3 und 4 gespannt. „Schutz gegen mögliche Drohnen“, sagt Robert Holy, Sprecher des AKW. Auch gegen die Folgen eines möglichen Flugzeugabsturzes sei das AKW nachträglich gesichert worden, führt er aus.
Nachgerüstet
Und überhaupt, versichern vom slowakischen Regierungsvertreter bis zum Sicherheitsbeauftragten des AKW alle stets unisono: Alle Sicherheitsvorgaben würden konstant überprüft, alle Erfordernisse nachgerüstet, jeder einzelne Bauteil streng kontrolliert. „Alle Einheiten arbeiten sicher“, sagt Richard Davis, der eigens aus Texas geholte Sicherheitschef der Anlage, ein gestrenger Ex-Militär mit 40 Jahren Erfahrung in Atomkraft.
Drinnen, in der Anlage: Der ohrenbetäubende Lärm der Turbinen, ein unüberschaubares, riesiges Netz an Rohren. Überall ist zu lesen: Nicht hinter die gelben Linien treten, nichts anfassen, in der Gruppe bleiben und dann, ehe es in Herz der Anlage geht, greift Robert Holy, der die Besucher durchs AKW führt, zum Walky Talky: Er muss einen speziellen Code anfordern – erst dann kann er die Tür zu jenem Gang öffnen, von dem die Besucher hinter einer dicken Glaswand auf die sogenannten Unit 3 und 4 blicken dürfen.
Die Atomreaktoren.
Vor uns, nur ein paar Dutzend Meter entfernt, unter einem roten Verdeck, 215 Tonnen schwer: Atomreaktor 3, in vollem Betrieb. Sechs Kühlkreise sind rundherum angelegt. Auch wenn alles blitzsauber glänzt, wenn alles nach Plan- und strengsten Sicherheitsstandards läuft, überläuft der gelernten, atomskeptischen Österreicherin ein kurzer Schauer. Tschernobyl kommt einem in den Sinn, der fatale Unfall von Fukushima – und dann da dieser so harmlos anmutende Reaktor, 12 Meter tief unter der Erde.
Vor mehr als 40 Jahren wurde in Mochovce mit dem Bau des AKW begonnen. „Damals, in Zeiten des Kommunismus, wurde hier niemand gefragt, ob man etwas dagegen hat“, erzählt AKW-Sprecher Holy.
Aber auch heute sprechen sich laut Umfragen 68 Prozent der Bevölkerung …read more
Source:: Kurier.at – Politik



