
Einen Chatbot dazu zu verwenden, um den Lebenslauf zu straffen, ihn entsprechend zu ergänzen oder gleich alles von der Künstlichen Intelligenz schreiben zu lassen? Das kommt immer öfter vor – sogar häufiger, als man denkt, sagen die beiden Expertinnen Susanne Seher und Helga Töpfl von der Personalvermittlung Seher + Partner. Ihre Beobachtung wird auch von einer aktuellen Umfrage der Plattform „karriere.at“ bestätigt: Jeder Zweite hat KI bereits für die Erstellung von Bewerbungsunterlagen verwendet. Dazu zählen Bewerbungsschreiben, Lebensläufe und sogar Bewerbungsfotos, die mithilfe von KI generiert werden.
Die Expertinnen sind dem nicht abgeneigt: „Wir raten sogar dazu.“ Vor allem jenen Personen, die sich beim Formulieren von Texten unsicher sind bzw. bei der Rechtschreibung Hilfe benötigen. „Fehlerhafte Bewerbungen kommen nicht gut an – besonders jetzt, wo die KI so leicht zugänglich ist. Es wirkt, als könne man mit digitalen Werkzeugen nicht umgehen. Damit ist man auf dem Arbeitsmarkt schnell außen vor“, so Susanne Seher.
KI kann und soll als Unterstützung dienen. Aber: „Man sollte unbedingt selbst drüberschauen und die Bewerbung individuell anpassen“, rät Seher. Sie müsse schließlich authentisch bleiben. „Formulierungen, bei denen man nicht genau weiß, was sie bedeuten, gehören raus. Wenn etwas nicht stimmig ist, fällt das spätestens im ersten Gespräch auf“, ergänzt Helga Töpfl.
KI als Recruiter
Nahezu dystopisch wird es nach dem Einreichen der Bewerbung – denn auch Unternehmen setzen die KI im Recruiting ein. Kurz: KI schreibt, KI bewirbt sich und KI sortiert wiederum aus. Wo bleibt da der Mensch?
Zwei Drittel der österreichischen Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden verwenden KI, sagt Töpfl. Im Bereich der Administration würde sogar ein Viertel KI nützen, um Bewerber zu evaluieren und Lebensläufe zu screenen oder zu ranken. „So will man Kosten sparen, den personellen Aufwand reduzieren, für eine höhere Genauigkeit und weniger Fehler sorgen“, erklärt die Expertin – setzt hinter diese Annahmen jedoch ein großes Fragezeichen. Denn auch KI habe mit Vorurteilen zu kämpfen.
Nicht ohne Haken
Ein KI-Algorithmus wird trainiert und mit Informationen gefüttert. „Je nach Betrieb, Arbeitsklima oder Branche kann es also durchaus dazu kommen, dass die KI zum Beispiel bei bestimmten Rollen Männer oder Frauen bevorzugt“, sagt Susanne Seher.
Außerdem tut sich die KI schwer, außergewöhnliches Potenzial zu erkennen. Dinge, die aus der Norm fallen, werden ausgefiltert. „Eine KI kann nicht erkennen, ob jemand wirklich zum Unternehmen passt, welche Werte die Person vertritt oder was sie motiviert.“ Zwar könne sie laut Töpfl berücksichtigen, wo jemand zuvor gearbeitet habe und wofür diese Unternehmen stehen. „Es macht aber einen Unterschied, ob man in einem Riesenkonzern oder in einer kleinen Vertriebsniederlassung mit zwölf Mitarbeitenden tätig war.“
Auch das Wissen eines HR-Verantwortlichen über die Persönlichkeit der Vorgesetzten und darüber, welche Sparringspartner sie brauchen, könne die KI nicht ersetzen. Genau deswegen brauche es weiterhin den „Human in the Loop“ – also einen Menschen, der die Entscheidungen der KI kontrolliert. Ein großes Thema sind hier laut den Expertinnen auch die gesetzlichen Vorgaben des „EU AI Acts“. „Haftungsfragen zu klären und Strafen zu vermeiden, beschäftigt Unternehmen derzeit intensiv“, so Töpfl.
Besonders spannend wird es bei den Rechten der Bewerber. Nach einer Absage können sie …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



