Chips, KI und Roboter trotz US-Sanktionen: Wie machen die Chinesen das?

Politik

Zwei Boxer umkreisen sich, die Handschuhe hochgerissen, den Kopf leicht gesenkt. Ihre Schrittfolge ist flüssig, die Schläge und Tritte wirken dagegen kraftlos und gehen häufig ins Leere – kein Wunder bei 1,32 Metern Größe und 35 Kilo Kampfgewicht. Es sind zwei „G1“, humanoide Roboter aus dem Hause Unitree. 

Um die Schaulustigen von der Modernität seiner Produkte zu überzeugen, setzt der chinesische Konzern auf eine antike Form der Unterhaltung. Als dann irgendwann doch einer der Roboter wie auf Befehl zu Boden geht, werden beide von menschlichem Personal wieder in die Ecke gestellt.

Hier, in der Halle W3 der China International Supply Chain Expo (CISCE), wo der KURIER Ende Juni in Peking selbst vor Ort war, stellen fast alle namhaften Hersteller des Landes ihre Roboter vor. Die Geräte präsentieren vorprogrammierte Tänze, servieren (sehr langsam) Kaffee und posieren für Selfies mit Besuchern. Die Botschaft der Aussteller ist unmissverständlich: China ist bei der Produktion humanoider Roboter führend. Immerhin stammen 85 Prozent aller weltweit verkauften Roboter aus dem Reich der Mitte.

In Washington nimmt man den technologischen Fortschritt beim geopolitischen Rivalen ernst. Am Dienstag verbot die US-Regierung den Import von neuen humanoiden und vierbeinigen Robotern aus China. Diese stellten ein „inakzeptables Risiko für die nationale Sicherheit dar“, sie seien schließlich dazu geeignet, „Amerikanische Bürger zu überwachen“, so die Regulierungsbehörde FCC.

Noch sind die humanoiden Roboter nur Show

Nur: So beeindruckend diese Maschinen auf den ersten Blick wirken, bislang können sie in erster Linie vorprogrammierte Choreografien wiedergeben. Tanzen, kämpfen, winken – es sind dieselben Bewegungsabläufe, die schon seit einigen Jahren von Robotern in Firmen-T-Shirts auf den Straßen chinesischer Großstädte vorgeführt werden, um Werbung zu machen. Echte, KI-gesteuerte Autonomie sucht man vergeblich.

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Roboter, die in China tatsächlich Arbeiter ersetzen, sehen unspektakulärer aus. Es sind vor allem Greifarme und kleine, fahrende Boxen, die in automatisierten Lagerhäusern und Logistik-Hubs Waren sortieren.

Auf der Lieferkettenmesse in Peking ist ein Polizeiroboter der Marke „Shēnzhì T2“ eine der wenigen Ausnahmen. Er sieht aus wie eine größere Version der Unitree-Modelle, nur stehen seine Füße auf einer Plattform mit Rädern. In der Metropole Hangzhou, so erklärt ein Sprecher, werden 15 dieser Roboter bereits als Verkehrspolizisten an Kreuzungen eingesetzt. Doch auch hier: Nur in Begeitung eines menschlichen Partners.

Der US-Importbann fällt trotzdem in eine Zeit, in der zwei Meldungen in den vergangenen zwei Wochen die Sorge vor einer technologischen Aufholjagd Chinas im Westen befeuerten.

Halbleiter- und KI-Durchbrüche

Am Montag berichtete das US-Nachrichtenportal The Information, ein chinesisches Unternehmen habe erstmals mit der Serienfertigung eigener Lithografiemaschinen begonnen – also jener Geräte, ohne die sich in Halbleiter-Fabriken keine modernen Chips herstellen lassen. Fast alle dieser weltweit genutzten Maschinen stellt der niederländische Weltkonzern ASML her, der wegen US-Sanktionen nicht nach China liefern darf. Dessen Aktienwert brach in dieser Woche zwischenzeitlich um acht Prozent ein.

Rein technisch sind die chinesischen Maschinen aber wohl nur mit älteren ASML-Modellen vergleichbar, noch dazu ist die Stückzahl gering: In China sind heuer nur fünf, 2027 dann 20 Maschinen geplant. Zum Vergleich: ASML will alleine 2026 noch 130 seiner älteren Modelle ausliefern.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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