Um Phillip Amthor zu verstehen, empfiehlt sich, die satirische Spätabendsendung heute-show anzusehen. Wiederkehrend werden Witze über den Altersschnitt der CDU-Abgeordneten gemacht, wiederkehrend wird das Mikrofon einem der jüngsten Abgeordneten unter die Nase gehalten. „Wissen Sie überhaupt, was das Internet ist?“, fragt Moderator Fabian Köster. Die Kamera dreht auf Phillip Amthor, der wiederkehrend lächelnd und mit vollkommener Ernsthaftigkeit antwortet: Natürlich, auf den „umstrittenen“ Plattformen komme er „natürlich häufiger vor“.
Dem Spott des Internets hat es der 33-Jährige aus Mecklenburg-Vorpommern zu verdanken, dass er zu den bekanntesten CDU-Politikern zählt, den sowohl junge Noch-Nicht- als auch Nicht-CDU-Wähler kennen. Der „jüngste und zugleich älteste“ Politiker wird der Konservative genannt, nicht nur wegen seines Stils: braune Hornbrille und streng gelegter Seitenscheitel, immer in Anzug und Krawatte; die Sprechpausen da, wo der Beistrich gesetzt wird. Schon als er 2017 als 24-jähriger Jus-Student erstmals in den Bundestag gewählt wurde, wirkte er etwas aus der Zeit gefallen – wie aus einer Bundestagsdebatte der Achtzigerjahre.
Das Spiel mit dem Internet
Den Konservativen muss er nicht spielen, im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen ist er einer: gegen die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und die Ehe für alle, für mehr innere Sicherheit, klassisch-parlamentarische Entscheidungsabläufe und gegen Bürgerräte. Im Bundestag fällt er mit provokanten bis polemischen Reden auf.
Das Internet hat schnell begonnen, aus Amthors altmodisch-konservativen Aussagen Fotomontagen zusammenzubasteln. Social-Media-Accounts, die sich nur darauf spezialisiert haben, zählen Zehntausende Follower. Doch statt sich dagegen zu wehren, spielt Amthor mit und macht sich seinen Ruf zunutze: In Nerd-Manier zitiert er im Netz seinen Lieblingsartikel aus dem Grundgesetz, empfiehlt Sachbücher zur „Architektur demokratischer Räume“ und gab sich anlässlich der Fußball-WM selbstironisch: Ein weiteres „cringes Politiker-Video, um unseren Jungs Erfolg zu wünschen“, brauche es nun wirklich nicht.
Was Heidi Reichinnek für die Linke und Markus Söder für die CSU ist, und die AfD sowieso als eine der ersten Parteien schon lange beherrscht, ist Amthor für die CDU: Er weiß genau, wie man mit dem digitalen Raum spielen muss, um Inhalte zu verbreiten. Dass Amthor, bisher Staatssekretär für Digitales, nun von Kanzler Friedrich Merz zum Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Bundeskanzleramt bestellt wurde, wurde von der Debatte über Merz’ umstrittene Personalrochade in den Hintergrund gedrängt. Es ist das höchste Amt, das Amthor bisher innehatte. Angesichts der Vertrauenskrise, in der sich die CDU befindet, selbst für den Kommunikationsprofi nicht einfach.
Doch viele sehen ihn als eigentlichen Gewinner des Personalkarussells: Amthor sitzt nun in der Machtzentrale, unter den Fittichen des Kanzlers.
Er ist der, der immer büffelt und der Beste sein will. Er ist unglaublich ehrgeizig.
Die deutsche Bild über Phillip Amthor
Nach dem Fall der Höhenflug
Amthor weiß schon lange, wo er hin will: Angeblich hat er schon als Jugendlicher CDU-Parteitage im Fernsehen verfolgt. Mit 16 Jahren trat er der Partei bei; der Hobby-Jäger, der sich mit 27 taufen ließ, scheut kein Amt, ganz gleich in welchem Parteigremium. Seinen Ehrgeiz kann man ihm nicht absprechen. Gegenüber der FAZ erhält Amthor nur Lob von den Kollegen: „Gut vernetzt, loyal, fleißig, umsichtig“. Selbst im liberalen Flügel der CDU werden seine „großen Verdienste“ anerkannt. Genügend Parteimitglieder sehen ihn längst als langfristige Hoffnung der …read more
Source:: Kurier.at – Politik



