
Mutterglück kann schnell in Kinderhorror umschlagen – nicht nur im Zuge einer postnatalen Depression, sondern bevorzugt auch im Kino: Dort hat sich schon längst das Subgenre des Mutter-Kind-Schockers etabliert. Lässt man Klassiker wie „Rosemaries Baby“ von 1968 mal beiseite, hat die Ambivalenz der Mutterschaft zuletzt vor allem Regisseurinnen inspiriert – etwa die Australierin Jennifer Kent mit „Babadook“ (2014), oder auch „Mother’s Baby“ der österreichischen Filmemacherin Johanna Moder. Anstatt mit dem neugeborenen Kind „die schönste Zeit seines Lebens zu verbringen“, wie es einem die Umgebung gerne suggeriert, kämpfen junge Frauen mit Überforderung, Depression, Entfremdung und Einsamkeit.
Das ist auch in Finnland nicht anders. Unter der Regie der finnischen Filmemacherin Hanna Bergholm zieht ein junges Paar – sie Finnin namens Saga, er Brite namens Jon (Ron Weasley aus „Harry Potter“) – hoffnungsfroh in ein einsames Haus mitten im Wald. Dort will Saga eine Familie gründen. Schon beim ersten Besuch sinkt das Paar auf den Moosboden des umliegenden Waldes und zeugt ein Kind. In ihre Lustschreie mischt sich das Ächzen der Bäume.
Der neugeborene Sohn kommt seiner erschöpften Mutter nach einer schweren Geburt irgendwie seltsam vor. Er ist behaart wie ein junger Affe, brüllt wie ein Stier und beißt ihr die Brustwarzen blutig.
Kindergeschrei
Alles befinde sich im normalen Bereich, versichert das besorgte Umfeld. Saga sei nur müde, müsse sich erholen, solle mehr auf sich selbst achten. Doch ihre Wahrnehmung verdüstert sich. Das einsame Haus fühlt sich beklemmend an, die Natur wirkt bedrohlich, das ewige Geschrei des Kindes zehrt an den Nerven. Auch Sagas eigener Körper hat sich verändert. Blutige Binden, abgebrochene Nägel, Risse und Runzeln, wo vorher keine waren: Saga fühlt sich rundum hässlich und empfindet sich als schlechte Mutter eines unmöglichen Kindes.
Aber ist der Babybub wirklich so gefährlich, wie seine Mutter glaubt? Oder sind die beklemmenden Bilder von verdüsterten Innenräumen und einem bösartig knurrenden Kleinkind nur die zunehmend gestörten Wahrnehmungen einer psychisch belasteten Frau?
Gekonnt verkabelt Hanna Bergholm blutige Geburt mit Bodyhorror, überfordernde Mutterschaft mit Psychoterror und lässt im Stresstest schlafloser Nächte das Familienleben zum Mystery-Folk-Schocker eskalieren.
INFO: 92 Min. FIN/GB/LT/F 2026. Von Hanna Bergholm. Mit Seidi Haarla, Rupert Grint.
Source:: Kurier.at – Kultur



