Heinrich Steinfest: „Das erste Buch war unschuldig wie der erste Kuss“

Kultur

Er hat lang gebraucht, um seinen Weg zu finden. Heinrich Steinfest war schon in der Zielgerade des dritten Lebensjahrzehnts, als ihm der Knopf aufging. Das mit der Malerei, das wird nichts, wurde ihm klar. Auf einer Reise nach China die ersten Schreibversuche. Und dann ging es schnell. Ein Kleinverlag druckte seinen ersten Roman, bald wagte er sich an einen größeren, populäreren Verlag.

Bei Piper mit Sitz in München ist der gebürtige Wiener nun schon seit 30 Jahren, er ist dort einer der Dienstältesten. Verlag und Autor haben Freude aneinander: Steinfest ist Bestsellerautor, noch dazu äußerst produktiv. Jedes Jahr kommt ein neuer Roman, ein Krimi, oder, wie jetzt, eine Novelle, „Die Linkshänderinnen“, angesiedelt in einem nicht näher genannten Ort irgendwo in Österreich, wo es vor umtriebigen Provinzpolitikern wimmelt.

Steinfest ist immer noch sattelfest, was die österreichische Mentalität angeht, und zwar nicht nur in seinen Kriminalromanen rund um den Wiener Privatdetektiv Markus Cheng. Ist er ein österreichischer Autor? Er redet jedenfalls so, auch Jahrzehnte, nachdem er seiner ersten Frau nach Stuttgart, später seiner zweiten nach Heidelberg gefolgt ist. Wenn er, wie jetzt, im Garten seiner Mutter Herta in Wien-Liesing sitzt, freut sich der Ausgewanderte durchaus am Wiener Sommer. Und doch: Er habe Heimweh nach Heidelberg, sagt er in sanftem Wienerisch.

Wirtshauskind

Henrich Steinfest war einmal ein Wirtshauskind. Die Oma hatte ein Gasthaus in der Weyringergasse auf der Wieden. Die prägendsten Kindheitserinnerungen: Die Gasthauskatze und das Obi gespritzt, das sich der kleine Heinrich selbst hinter der Budel holte. Der Spießrutenlauf mit dem Parkwächter, der den Kindern das Spielen im Park verbieten wollte, das Fußballspielen neben dem Belvedere und die Grimassen-Gesichter von F. X. Messerschmidt im Belvedere. Präzise beobachtete Charakterstudien, wie auch Schriftsteller Steinfest sie macht.

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Er sagt: „Mir ist es immer darum gegangen, Figuren, Plätze, Orte genau zu beobachten. Ich weiß, dass das für manche Leute ein bisschen umständlich ist. Aber ich will nicht nur an der Handlung entlangschreiben. Ich will die Räume entstehen lassen, in denen die Geschichten spielen, und ich will Physiognomien beschreiben. Nur dadurch werden sie spürbar.“

Geboren wurden Heinrich und sein Bruder Michael in Australien, wohin die Eltern einst ausgewandert waren, aber später wieder zurückkamen. Der Vater war Fotograf, später Direktor eines Verpackungsunternehmens, wo Heinrich sein erstes Geld verdiente. Die Schule brach er mit 17 ab. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte ausgerechnet die Deutschlehrerin, sie hatte dem Buben den Floh Franz Kafka ins Ohr gesetzt und ihm gesagt: „Matura oder nicht, du wirst deinen Weg gehen“.

Kafka als Auslöser

Kafka löste bei dem jungen Mann in der Krise, der nicht an die Schule glaubte und so gar nicht wusste, wohin mit sich und seinem Leben, etwas aus. „Kafka hat mir das Gefühl gegeben, dieser ganze Wahnsinn, in dem ich mich befinde, den kann ich nicht lösen, aber man kann ihn beschreiben. Das Schreiben kann das Schreckliche bannen. Die Aufgabe von Literatur ist nicht, Idyllen zu schaffen, die einen ablenken von der Realität, sondern die Realität in eine Sprache zu fassen und sie dadurch ertragen zu können. Das zu begreifen, hat mir einen Weg aufgezeigt: Dass es vielleicht …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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