Die Sportwelt nimmt Abschied von einem Grandseigneur

Sport

Vor genau 60 Jahren berichtete Michael Kuhn aus Chile vom einzigen ÖSV-Sieg bei der bis heute einzigen Ski-WM auf der südlichen Halbkugel. Als im August 1966 der später nach einer OP zum Vater, Opa, Dancing-Star und (ob seiner Kinderkurse) als Skischulleiter beliebt gewordene Kärntner Erik Schinegger Bestzeit erzielt hatte. In der Abfahrt der … Frauen.

Kuhn war auch bei Sommer- und Winterspielen und damit beim Olympia-Ausschluss 1972 von Karl Schranz in Sapporo sowie bei der Fußball-WM ’78 in Doppelfunktion für den ORF und die Kronen-Zeitung in Argentinien dabei. Wo er just Cordoba (3:2 gegen Deutschland) versäumte , weil ihn der ORF für das Parallelspiel Italien – Niederlande eingeteilt hatte.

Schmunzelnd erzählte Kuhn auch die Geschichte, wie die FIFA 1978 WM-Spielern eine Kolumnisten-Rolle bei Medien verbieten hatte wollen und er vorm Abflug nach Südamerika von Hans Krankl angerufen worden war mit den Worten „Macht nix, Michl, dann schreib i halt unter an Pseudonym.“

Seine letzten Weltcupskirennen für den ORF kommentierte Kuhn im Sommer 1988 in Australien, seine letzte Fußballübertragung 1991. Seine letzten Zeilen für die Krone verfasste er 2006 – als Chefredakteur. 20 Jahre später sprachen ihn Heurigen-Gäst’ immer noch respektvoll fragend an: „San sie net der berühmte Herr Kuhn?“

Bei so einem nachmittäglichen Heurigen-Senioren-Treff hörte Kuhn heuer im Frühsommer aufmerksam zu, als der ehemalige Langzeit-ÖFB-General Alfred Ludwig schilderte, wie verlässlich, höflich und hilfsbereit bei der Heim-EM 2008 ein gewisser Gianni Infantino als UEFA-Generalsekretär noch gewesen sei. Auch er, nein nicht der Infantino, sondern Ludwig, galt als Erfindung Kuhns. Hatte der doch den um flotte Sprüch’ nie verlegenen Turn- und Englischlehrer Ludwig als Reporter eingeschult und ihn Anfang 1980 dem Fußballbund empfohlen.

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Die wichtigsten Sportbosse hörten auf Kuhn. Auch die Reporter-Konkurrenz bewunderte ihn. Und das nicht nur, weil er (obwohl seit Geburt etwas gehandicapt) mit einer Hand rascher Berichte in den Laptop tippte als unsereiner mit zwei.

Als Sportsmediaaustria-Ehrenpräsident wurde er von IOC und Journalistenweltverband für sein Lebenswerk geehrt. Mindestens ebenso aber freute ihn, dass aus den namhaftesten Sportlern und Teamchefs seine Freunde wurden. Selbst solche, die er (z. B. Herbert Prohaska) einst auch kritisiert hatte. Kuhns Sommerfest am Wörthersee wurde jedes Jahr im August zum beliebten Legendentreff. Auch das heurige war von Gattin Helga schon organisiert.

Das Schicksal will, dass Österreichs Jahrhundertsportlerin Annemarie Moser so wie viele andere Medaillenträger und ehemalige Kicker diesmal nicht an den Wörthersee, sondern nach Wien-Döbling kommen. Dort wird Dienstag vom 89-jährig verstorbenen Grandseigneur auf dem Grinzinger Friedhof Abschied genommen.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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