„Europas Schlusslicht“: So reizlos ist Aktiensparen in Österreich

Politik

Ob Aktien oder börsengehandelte Fonds: Mittlerweile investieren 31 Prozent der österreichischen Bevölkerung laut „Aktienbarometer“ der Industriellenvereinigung in Wertpapiere – Tendenz steigend. Im Vergleich mit anderen EU-Staaten veranlagen Österreicher aber konservativ, abseits des Kapitalmarkts – etwa auf Sparbüchern.

Untersuchungen führen das etwa auf mangelhafte Finanzbildung zurück. Der Staat setzt aber auch keine Anreize für Wertpapiersparen. Wer Kursgewinne realisiert, muss für die gesamte Summe 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer abführen. Die Behaltefrist für Wertpapiere wurde 2011 abgeschafft. Bis dahin konnten Gewinne nach einem Jahr steuerfrei realisiert werden.

Nur Österreich bietet keine steuerlichen Anreize

Die SPÖ ist gegen eine neue Behaltefrist. ÖVP und Neos drängen darauf, diese zumindest für die private Altersvorsorge wieder einzuführen, beispielsweise für zehn Jahre. Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) legt nun im KURIER nach: „Wer in Österreich langfristig vorsorgt und Vermögen aufbauen will, wird heute steuerlich schlechter behandelt als in fast allen anderen europäischen Ländern.“ 

Laut einer Auswertung des Finanzministeriums (BMF) ist Österreich Europas Schlusslicht, was die Anreize für langfristiges Wertpapiersparen betrifft (siehe Grafik). „Während 31 von 32 Staaten mit Behaltefristen, Freibeträgen oder Anlagekonten die private Vorsorge fördern, bietet Österreich keines dieser Instrumente“, betont Eibinger-Miedl. Wo ist Aktiensparen am reizvollsten?

Steuerfrei: In sieben europäischen Staaten sind private Kursgewinne weitestgehend steuerfrei. Wenig überraschend ist, dass die Steuerparadiese Schweiz, Malta und Liechtenstein zu dieser Liste zählen. In der Schweiz ist unter anderem eine sechsmonatige Behaltefrist Grundvoraussetzung. Doch auch die Niederlande verlangen keine Steuern auf Kursgewinne aus Aktien und Fonds.
 

Anlagekonten: In 15 Staaten ist Wertpapiersparen über Konten, die der Veranlagung in Finanzprodukten dienen, begünstigt. In den meisten Ländern gelten klare Vorschriften für Anlagekonten – etwa Einzahlungslimits. Italien schreibt beispielsweise auch vor, dass 70 Prozent der Anlagen in italienische Betriebe fließen müssen. Slowenen müssen die Hälfte ihres Jahresbetrags in Staatsanleihen oder slowenische Aktien investieren. In Deutschland sind ab 2027 Gewinne von 1.000 Euro pro Jahr auf Anlagekonten steuerfrei – darüber fallen 26,375 Prozent Steuern an.

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Behaltefrist: Zwölf der untersuchten Länder haben auch oder nur eine Behaltefrist. In Kroatien gelten etwa in den ersten beiden Jahren 12 Prozent an Steuern auf Kursgewinne – übrigens auch aus Kryptowährungen. Nach zwei Jahren sind die Gewinne steuerfrei. Ein gestaffelter Steuersatz – nach Länge der Haltedauer – gilt in Portugal. Tschechien hat eine dreijährige Haltefrist, berücksichtigt aber wiederum die Einkommenshöhe.
 

Freibetrag: In zehn Staaten gilt zumindest ein Freibetrag auf Kursgewinne. In drei Ländern ist das die einzige steuerliche Begünstigung: In Belgien liegt der Freibetrag derzeit bei 10.000 Euro pro Jahr, in Island bei rund 2.100 Euro, in Irland bei 1.270 Euro.
 

Sonderfälle: Rumänien hat eine Haltedauer mit einem gestaffelten Niedrigsteuersatz – der aber nur für rumänische Broker gilt. Auf Gewinne im ersten Jahr fallen sechs Prozent Steuern an, danach nur noch drei Prozent. Im Spanien gelten wiederum Steuerstufen, die sich nach der Höhe des Gewinns richten: 19 Prozent für die ersten 6.000 Euro, 21 Prozent bis 50.000 Euro usw. Spaniens sozialistische Regierung feilt zudem an einem Anlagekonto.

„Wir sind Nachzügler“

Eibinger-Miedl probiert auf Basis der Auswertung einen erneuten Vorstoß. Österreich dürfe beim Wertpapiersparen „nicht länger Nachzügler“ sein, die Bevölkerung soll von den Möglichkeiten des Kapitalmarkts besser profitieren. „Daher müssen wir nach der Reform und …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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