„Glorious“ in Baden: Die absolute Primadonna der Misstöne

Kultur

Das muss man sich einmal vergegenwärtigen: Eine wohlhabende Lady aus besten amerikanischen Kreisen war überzeugt, sie sei die absolute Primadonna. Dabei fehlte ihr das Wesentliche, eine Gesangsstimme. Trotzdem füllte sie am Ende sogar die Tausende Plätze fassende Carnegie Hall.

Was wie eine schräge Story für einen Schinken aus Hollywoods Traumfabrik klingt, ereignete sich tatsächlich. Florence Foster Jenkins, 1868 als Tochter eines Bankiers in Pennsylvania geboren, galt als Wunderkind und trat als Pianistin und Sängerin sogar im Weißen Haus auf. Der Vater aber verwehrte der Tochter ein einschlägiges Studium. Im Teenageralter wurde sie die Ehefrau eines Arztes, der sie mit Syphilis infizierte. Die Krankheit zerstörte ihr Gehör. Das hinderte sie jedoch nicht daran, ihren Lebenstraum zu erfüllen.

Reale Vita

Nach dem Tod ihres Vaters war ihr Weg frei für die Bühne. Sie steckte ihr gesamtes Erbe in ihre Karriere als Sängerin. Dass ihre Stimme dahin war, realisierte sie nicht. Trunken vor Selbstvertrauen finanzierte sie Auftritte und Plattenaufnahmen und wurde zu dem, was man als Kultfigur bezeichnen könnte. Noch heute ist ihr Name unter Opernfreunden eine Art Synonym für extremes Distonieren. Etwas Schlimmeres als den fiktiven Florence-Foster-Jenkins-Preis kann man einer Sängerin nicht attestieren. Der britische Dramatiker Peter Quilter fertigte aus dieser realen Vita das Stück „Glorious“ und damit eine Glanzrolle für eine Schauspielerin.

Ein Erlebnis

Meryl Streep prägte sich als Mrs. Jenkins Cineasten in Stephen Frears’ Verfilmung unauslöschlich ins Gedächtnis ein. In Baden ist Maya Hakvoort als „Diva der falschen Töne“ zu erleben. In der Tat kann man von erleben sprechen. Als „Elisabeth“ und in vielen anderen Musical-Rollen erspielte und ersang sich die gebürtige Niederländerin die Beliebtheit beim Wiener und internationalen Publikum. In der reduzierten, total auf sie ausgerichteten Inszenierung von Andreas Gergen in Baden demonstriert sie, was sie als Darstellerin zu bieten hat. Das ist gewaltig.

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Die Handlung erzählt von den letzten Monaten der 76-jährigen Jenkins. Gespielt wird auf der Vorderbühne. Liebevolle Projektionen, die per Overhead-Projektor und Live-Kamera gefertigt werden, und eine Spiegelung des Saals reichen, um mit einem Klavier, einem Sofa, Tisch und Fauteuil die Atmosphäre eines Salons, eines Tonstudios, eines Ballsaals und eines Konzertsaals zu simulieren. Hakvoort verwandelt sich mit wenigen Gesten in diese weltfremde Lady, die ihren Pianisten (sympathisch Alexander Lutz, Shlomit Butbul ergänzt in mehreren Rollen) liebevoll umsorgt. Man erkennt sie nicht, wenn sie als Carmen wie für ein Gschnas verkleidet über die Bühne fegt und die Habanera gegen jeden Rhythmus brüllt. Oder am Ende wie ein goldener Engel die Arie der Königin der Nacht wie eine Heulboje intoniert. Das nennt man Mut zur Selbstverleugnung.

Schrullige Lady

Hakvoort zieht alle Register, überzeugt als sich selbst falsch einschätzende Möchtegern-Sängerin ebenso wie als schrullige betagte Lady, die nicht wahrhaben will, dass sie zum Gespött des Publikums wird. Das Publikum würdigte diese Leistung mit Ovationen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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