Hinterhäuser und Levit: So klingt die Erschaffung der Welt

Kultur

Manchmal lässt einen die Regie des Schicksals nur noch staunen – wie bei den Salzburger Festspielen.

2017, im ersten Jahr seiner Intendanz, führte Markus Hinterhäuser, der nicht nur mit seinen Programmen, sondern auch als Pianist das Besondere an die Salzach brachte, mit Igor Levit Olivier Messiaens Klavierzyklus „Visions de l’Amen“ im Mozarteum auf. Darin ergründet der französische Komponist in sieben Abschnitten die Bedeutungen des Begriffs „Amen“. Dieses Werk ist also eine ideale Ergänzung zu Messiaens „Saint François d’Assise“, der zentralen Opernproduktion dieses Sommers.

Wie Eckpfeiler

Die Abberufung des Intendanten rückten die Aufführung in derselben Konstellation wie vor neun Jahren in eine andere Dimension. Nun markiert dieses Schlüsselwerk den Anfang und das Ende dieser Ära.

Wie bei seinem ersten Konzert in diesem Sommer, Schuberts „Winterreise“ mit Matthias Goerne, demonstrierte das Publikum mit gewaltigem Auftrittsapplaus und stehenden Ovationen, dass es sich mit diesem Ende nicht abfinden will. Doch als Hinterhäuser und Levit ihre Plätze einnehmen, gilt’s nur noch der Kunst.

Messiaen teilte seine musikalischen Bilder auf zwei Klavierstimmen auf, die einander ergänzen. Die erste übernimmt Levit. Virtuos lässt er die Tasten des Steinways wie Vogelstimmen klingen, fasziniert mit atemberaubenden Läufen und agiert ganz im Einklang mit seinem Partner. Der lässt subtil, wie aus einem diffusen Urgrummeln, ein Symbol für das Chaos, die Welt, entstehen. Aus düsteren Akkorden erheben sich leuchtende Farben. So könnte es klingen, wenn das Licht in die Welt kommt.

Der immer wiederkehrende Choral beginnt zu schweben. Archaische Gewaltakte gehen über in verstörende Seelenmusik. Atemberaubend, wie diese beiden Musiker die poetische Kraft, das Überwältigende dieses Werks in jeder Phase spüren lassen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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