Karl Regensburger: „Ich werde von meinem Team gerne geprügelt“

Kultur

Karl Regensburger, am 17. August 72 Jahre alt, ist zumindest der längstdienende Intendant von Wien: 1984 gründete er mit dem Tänzer Ismael Ivo die Internationalen Tanzwochen Wien, die seit 1988 „ImPulsTanz“ heißen. Die diesjährige Ausgabe läuft noch bis 9. August.

KURIER: Es scheint wieder enorm gut zu funktionieren.

Karl Regensburger: Ich hatte nach dem wirklich großen Erfolg im letzten Jahr Zweifel, ob sich das Ergebnis wiederholen lässt, und bin völlig überrascht, dass es noch besser läuft. Wir haben bis jetzt 22 Zusatzvorstellungen angesetzt, also 13.000 zusätzliche Karten in den Verkauf gegeben. Wir könnten auch noch weitere zehn ansetzen.

Warum tun Sie es nicht?

Das Team arbeitet schon jetzt bis an die Belastbarkeitsgrenze. Man kann nicht noch g’schwind eine weitere Vorstellung reinquetschen, wenn es gilt, Ruhezeiten einzuhalten. Zudem möchte ich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich selber Produktionen anzuschauen.

An manchen Tagen gibt es sieben Abendvorstellungen: Um 21 Uhr bespielt ImPulsTanz gleichzeitig die Burg, das Volkstheater und das Akademietheater …

Das sind bereits zweieinhalbtausend Karten. Dazu kommen Präsentationen um 23 Uhr – etwa im Odeon oder Schauspielhaus. Ja, für diese Dichte werde ich von meinem Team gerne geprügelt. Weil das personell kaum zu schaffen ist. Und wenn dann, wie unlängst, in einem Haus die Klimaanlage ausfällt, liegen schon die Nerven blank, ob man das bis Vorstellungsbeginn wieder reparieren kann.

Um die Dauer der Salzburger Festspiele zu verlängern, wurde die Ouverture Spirituelle vorgelagert. ImPulsTanz dauert genau einen Monat. Wäre es nicht auch sinnvoll, das Festival auf fünf Wochen zu erstrecken, um einen Overkill zu vermeiden?

  Was alles Glück sein kann

Wir haben noch keinen Overkill. Weil es uns gelingt, alle großen Häuser gleichzeitig auszuverkaufen. Und es gibt fast jeden Abend Wartelisten. Aber ich gebe Ihnen recht: Es wäre sicher sinnvoll, ich denke schon länger über eine zusätzliche Woche nach. Um die Dichte zu reduzieren. Aber ich werde von der Politik eher dazu aufgefordert, weniger Programm zu machen, um Geld zu sparen.

Tatsächlich? Wenn eine Gruppe aus Übersee anreist, ist es doch sinnvoll, wenn sie nicht nur zweimal auftritt. Ich nehme an, dass die Zusatzvorstellungen mehr Geld einspielen, als sie kosten.

So ist es! Die wesentlichen Fixkosten bleiben gleich. Und die zusätzlichen Kosten, die Gagen für die Künstler und die Honorare für die Bühnentechnik, spielt man ein, wenn eine Vorstellung halbwegs ausverkauft ist. Also: Das Festival wird nicht billiger, wenn es kleiner wäre, es würde nur der Subventionsbedarf pro Zuschauer steigen. Für mich zählen die Einnahmen. Und da zeigt sich, dass wir doppelt so hohe Kartenerlöse wie die Wiener Festwochen haben, aber nur ein Drittel der Subventionen bekommen.

Der Eigendeckungsgrad ist daher sehr hoch?

Ja, wir bekommen von der Stadt etwa 4,2 Millionen Euro, vom Bund 1,4 Millionen, gesamt 5,6 Millionen – und wir lukrieren mit Kartenverkäufen und Sponsoring annähernd die gleiche Summe. Aber ich muss zu vorhin noch ergänzen: Ich nehme das Ungleichgewicht im Verhältnis 1:6 hin, weil es sich mit unserem äußerst schlanken Organisationsteam ausgeht. Das Problem ist nur: Die Festwochen jagen zunehmend in unserem Revier. Das begann mit Anne Teresa De Keersmaeker und den „Brandenburger Konzerten“, an deren Konzeption ich beteiligt war. Das war für …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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