„Durchlüften!“ – Wie der neue Generaldirektor den ORF umbauen will

Kultur

KURIER: Diese Woche haben Sie Ihr Direktorenteam klar durchgebracht. Wie wichtig war es für Sie, dass dieser Termin glatt über die Bühne geht?

Clemens Pig: Für den ORF war dieser Termin spielentscheidend, denn das war ein richtig großer Schritt in Richtung weiterer Emanzipierung des ORF von der Politik. Eine  Abwehr von politischer Einflussnahme auf die Wahl der Führungskräfte des ORF. Ich habe ja nach meiner eigenen Wahl zum Generaldirektor einen völlig neuen Prozess aufgesetzt, wie auch im Rahmen des neuen Europäischen Medienfreiheitsgesetzes so eine freie Wahl erfolgen soll. Das war ein richtiger Befreiungsschlag. Das war gerade in der jetzigen Phase für den ORF wichtig. Und zugegebenermaßen, es war auch für mich persönlich sehr wichtig.

Nicht mitgestimmt haben die  Stiftungsräte der FPÖ. Wie sehr bereitet das Ihnen Kopfzerbrechen?

Im Engeren bereitet mir das kein Kopfzerbrechen. Was mir eher Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass es offenbar mittlerweile zum politischen Geschäft von manchen Parteien gehört, auf viele Dinge einfach hinzuhauen. Und das nehme ich zur Kenntnis, versuche aber immer, konstruktiv zu bleiben und zu erklären, warum man Entscheidungen trifft und wie man sie getroffen hat. Es geht ja auch um andere Themen. Es werden laufend vertrauliche Informationen aus den Stiftungsratssitzungen direkt an die Medien weitergegeben. Man wird mit dem nordkoreanischen Diktator verglichen. Das werde ich natürlich jetzt zum Anlass nehmen, all diese Dinge auch rechtlich prüfen zu lassen.

Die große Überraschung im neuen Direktorenteam ist Silvia Lieb, die von der Moser Holding in den ORF wechselt. Sie ist für den Finanzbereich zuständig, kennt den Küniglberg aber noch nicht. Jetzt sagen ORF-Insider, es benötigt mindestens ein Jahr, um sich in dem komplizierten Konstrukt ORF zurechtzufinden. Ist das nicht mit sehr viel Risiko verbunden?

  Seitensprung mit dem Mann der besten Freundin: Typisch Französisch?

Frau Lieb und ich sind tatsächlich die beiden Externen in diesem Team. Ich finde es auch gut, in der gesamten Lage, in der der ORF ist, dass er nicht nur in seinem eigenen Saft kocht, sondern dass es auch einen unverrückten, klaren externen Blick auf das Unternehmen gibt. Und wenn die These lautet, man braucht üblicherweise ein Jahr, um alles zu durchschauen, dann kann ich nur sagen, ja, dann werden wir schneller sein.

Aber es ist halt ein riesiges Medienunternehmen?

Ja, das ist ein komplexes Unternehmen mit vielen Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, überhaupt keine Frage. Und gleichzeitig möchte ich aber auch kein Mysterium daraus machen. Es ist eben auch nur ein Unternehmen, was den Unternehmensaufbau betrifft. Frau Lieb ist  über viele Jahrzehnte im Finanzmanagement tätig, auch als Alleinvorständin. Und für mich und für Silvia Lieb gilt, wir sind nicht aus dem ORF, aber wir kommen beide aus Medienbetrieben. Wir bringen also ein tiefgehendes Verständnis mit, wie Medien auch im Zusammenhang der wirtschaftlichen und publizistischen Führung funktionieren. Wir müssen jetzt halt doppelt so schnell arbeiten.

Wie gehen Sie mit der Besetzung der Chefredaktionen im ORF um? Wird neu besetzt? Wird überhaupt umstrukturiert?

Der erste große Schnitt ist jetzt mit der Wahl der Direktorinnen und Direktoren gelungen. Der nächste Schritt ist jetzt unmittelbar, das vom Vizekanzler einberufene Zukunftsforum Mitte September vorzubereiten, parallel dazu das Budget vorzubereiten. Ich halte nichts davon, einzelne organisatorische Maßnahmen …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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