Diesmal wird es eng für Zuckerberg

Politik

Es ist nicht die erste Klage gegen Meta. Schon zweimal stand der US-Social-Media-Riese vor Gericht, weil seine Apps Kinder und Jugendliche süchtig machen sollen, zweimal wurde er dafür auch verurteilt. 4,2 Millionen Dollar setze es im ersten Fall, etwas schmerzhaftere 942 Millionen im zweiten. Für die Mutter von Instagram und Facebook waren das dennoch Beträge aus der Portokasse – 2025 schrieb das Unternehmen einen Nettogewinn von mehr als 60 Milliarden.

Der Prozess, der am Dienstag im kalifornischen Oakland begonnen hat, spielt aber in einer anderen Liga. Diesmal sind es nicht Familien oder NGOs, die sich gegen die zehntwertvollste Firma der Welt zur Wehr setzen; jetzt hat CEO Mark Zuckerberg es mit 29 US-Bundesstaaten zu tun. Und die haben im Vergleich zu den vorangegangenen Klägern einen entscheidenden Vorteil: Sie können es finanziell mit dem sechstreichsten Mann der Welt aufnehmen – und gewinnen sie den Prozess, könnte das für Meta ruinös enden. Die potenzielle Strafsumme ist mit 1,4 Billionen US-Dollar ungefähr so hoch wie der aktuelle Börsenwert des Unternehmens.

„Wie eine Droge“

Auch wenn Experten eine derart hohe Zahlung für unwahrscheinlich halten, ist der Druck für das Unternehmen enorm. Anders als in vielen anderen Prozessen muss Meta nicht für problematische Inhalte geradestehen (die Verantwortung dafür konnte die Firma meist erfolgreich von sich weisen), sondern für das eigene Produktdesign: Meta muss all jene Funktionen verteidigen, die Menschen zum endlosen „Doomscrolling“ anregen – und dem Konzern so mehr und mehr Geld in die Kasse spülen.

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Wird der Tech-Riese verurteilt, wären diese Funktionen zumindest für Jugendliche Geschichte. Juristisch ist das durchaus aussichtsreich, sagen Experten: Dass Meta seine Funktionen darauf trimmt, Minderjährige zum Scrollen zu animieren – die Firma habe dazu „eine Reihe psychologisch manipulativer Funktionen entwickelt und verfeinert“, so die Anklage – sei leichter zu beweisen als die rein medizinische Frage einer Sucht. Und allein das könnte für ein wegweisendes Urteil ausreichen.

Belegen wollen die Ankläger ihren Vorwurf unter anderem mit Aussagen von Meta-Mitarbeitern selbst. Sie wiesen in geleakten, internen Dokumenten darauf hin, dass der Empfehlungsalgorithmus, die ständigen Benachrichtigungen und vor allem Likes „wie eine Droge“ wirken würden. Auch Metas Ex-Sicherheitsingenieur Arturo Béjar soll aussagen: Er hat seinen ehemaligen Arbeitgeber bereits 2023 als Whistleblower beschuldigt, in Sachen Jugendschutz untätig zu sein. Seine Tochter und deren Freundinnen hatten unerwünschte sexuelle Belästigungen auf Instagram erlebt, doch seine Beschwerden waren in der Führungsetage des Unternehmens einfach ignoriert worden.

Wie bei Tabakindustrie

Meta weist all das freilich von sich, nennt die Vorwürfe der Ankläger „substanzlos“ und die finanziellen Forderungen „überzogen“. Man sei „zuversichtlich, dass die Beweislage unser langjähriges Engagement für die Förderung junger Menschen belegen wird“.

Die Gegenseite ist nicht weniger selbstsicher, zumal die 29 Staaten ganze zwei Drittel der US-Bevölkerung repräsentieren. Russell Coleman, Generalstaatsanwalt von Kentucky und führend in der Anklage, sagte: „Wir werden beweisen, dass es für Meta profitabler war, wegzuschauen.“

Die Herangehensweise der Ankläger orientiert sich dabei nicht zufällig an zwei der spektakulärsten Causen der US-Justizgeschichte. Man werde Meta genauso in die Knie zwingen wie die Tabakindustrie in den 1990ern und Jahrzehnte später jene Pharmafirmen, die die US-Opioidkrise auslösten, sagte Coleman.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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