
Ein paar Klicks, ein freies Wochenende und eine Wohnung mitten in Barcelona: Airbnb hat das Reisen einfacher und oft günstiger gemacht. Für junge Menschen in der katalanischen Metropole ist die eigene Wohnung hingegen längst nicht mehr selbstverständlich, das zeigt ein ernüchternder Blick auf den Wohnungsmarkt. Was für Reisende eine günstige und unkomplizierte Unterkunft über einen Anbieter wie Airbnb ist, kann für Einheimische eine Wohnung weniger auf dem ohnehin knappen Markt bedeuten. Barcelona will diese Entwicklung nun umkehren.
Barcelona zieht die Notbremse
Die Stadt gehört zu den beliebtesten Städtereisezielen Europas. Sie zieht jedes Jahr Millionen Besucher an und der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Die Stadt beziffert die Bedeutung auf rund 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, mehr als 155.000 Menschen sind in diesem Bereich beschäftigt. Gleichzeitig wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Besonders in den zentralen und touristisch starken Vierteln konkurriert die lokale Bevölkerung mit einer hohen Nachfrage nach Unterkünften für Besucher.
Und genau dort gehören Ferienwohnungen inzwischen zum Stadtbild. Sie konzentrieren sich vor allem auf jene Viertel, die auch bei Touristen besonders beliebt sind. Rund um die Sagrada Família und in Ciutat Vella ist die Dichte besonders hoch.
Das Problem sorgt seit Jahren für Proteste. Bürgerinnen und Bürger gehen gegen Massentourismus und die Folgen für ihren Alltag auf die Straße. Es geht um überfüllte Straßen und öffentliche Plätze, steigende Preise, die Veränderung ganzer Viertel und eben um die Frage, ob Wohnungen noch in erster Linie für Menschen da sind, die dort leben.
Barcelona reagierte darauf mit einem Schritt, der europaweit für Aufmerksamkeit sorgte: Die Lizenzen für rund 10.100 offiziell genehmigte touristische Ferienwohnungen sollen im November 2028 auslaufen. Neue Lizenzen werden schon seit Jahren nicht mehr vergeben. Die Stadt will damit Wohnungen wieder auf den normalen Wohnungsmarkt bringen. Nach ihrer Planung sollen diese mehr als 10.000 Wohnungen in den regulären Wohnungsbestand zurückkehren. Die Metropole betrachtet die Begrenzung touristischer Unterkünfte dabei als einen Baustein ihrer Wohnungspolitik.
Bei dem Kampf geht es auch um illegale Ferienwohnungen. Dagegen geht die Stadt bereits seit Jahren vor.Seit 2016 seien rund 9.700 nicht genehmigte touristische Wohnungen geschlossen, ein Teil davon wieder dem normalen Wohnungsmarkt zugeführt worden. Hinzu kommen neue Instrumente zur Kontrolle der Plattformen. Die spanischen Behörden setzen auf ein zentrales Register für Kurzzeitvermietungen, über das Plattformen Daten zu den Unterkünften übermitteln müssen. Damit soll leichter überprüft werden können, ob eine Ferienwohnung legal angeboten wird oder nicht.
2029 wird wohl die Weichenstellung bringen: Offiziell genehmigte Ferienwohnungen sollen in Barcelona Geschichte sein.
Der Streit um die Wohnungen
Airbnb ist zum Symbol für einen größeren Konflikt geworden. Auf der einen Seite steht eine Tourismusbranche, die für Städte und Regionen enorme wirtschaftliche Bedeutung hat. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die dort dauerhaft leben und sich fragen, ob ihre Stadt noch für sie selbst bezahlbar bleibt.
Auch die Frage, was mit den Touristen passiert, bleibt offen. Sie verschwinden nicht einfach, nur weil Ferienwohnungen wegfallen. Ein Teil könnte auf Hotels, Pensionen oder andere Unterkünfte ausweichen. Das könnte die Nachfrage und damit auch die Preise für Hotelzimmer erhöhen. Für Barcelona wäre das ein möglicher Nebeneffekt. Weniger Ferienwohnungen könnten zwar Wohnraum freimachen, gleichzeitig aber …read more
Source:: Kurier.at – Politik



