
Schluchzende Frauen – allesamt in bunt gemusterten, bodenlangen Kleidern. Immer hektischer werden ihre Armbewegungen, immer lauter wird ihr rhythmisches Atmen, das den Saal des Volkstheaters gänzlich füllt. Unaufhörlich fallen die fünf Frauen nacheinander einzeln oder in Gruppen zu Boden, um sich im selben Atemzug wieder aufzurichten, nur um erneut zu fallen.
Der Beginn von „Maldonne“ hinterlässt einen starken Eindruck, nicht zuletzt, weil das Schluchzen der Tänzerinnen deren synchrone Bewegungen wie eine musikalische Untermalung begleitet. „Ich wollte die Geschichte von traurigen Frauen erzählen, die gegen etwas ankämpfen, aber immer wieder aufstehen und niemals aufgeben“, so die international umjubelte Choreografin Leïla Ka.
Falsch ausgeteilte Karten
„Maldonne“, ein französischer Begriff, der so viel bedeutet wie „die Karten wurden falsch ausgeteilt’’, ist hier Programm: Leïla Ka behandelt mit ihrer dynamischen Performance das Frausein – ein Streben nach Gleichberechtigung, danach, sich ohne Scham und ohne Grenzen entfalten zu können. Auch in dieser Welt wurden die Karten für Frauen sozusagen „falsch“ ausgeteilt.
Die Performance porträtiert aber auch den Zusammenhalt, die Solidarität und das gemeinsame Erleben zwischen Frauen – mal humorvoll, etwa mit der Inszenierung einer Streiterei, mal emotional wie in der Gesangseinlage zu „Je suis malade“ in der Interpretation von Lara Fabian. Die Tänzerinnen performen zunächst zum eingespielten Lied, bevor sie lauthals mitsingen.
Die 40 Kleider, die in dem Stück zu sehen sind, stammen allesamt aus zweiter Hand. „Ich war damals auf Tour und bin in jeder Stadt in Second-Hand-Läden gegangen, um Kleider zu finden“, erinnert sich Leïla Ka. Jedes der Kleidungsstücke erzählt seine eigene Geschichte über die Frau, die sie ursprünglich trug. Von geblümt, über Leoparden-Muster bis hin zu Prinzessinnen-Rosa – die Performerinnen schlüpfen so in verschiedene Frauenrollen: „Fünf Frauen mit 40 Kleidern – die eigentlich auch 40 Frauen sind“, so die Choreografin.
Ungewöhnliche Karriere
Nicht immer fängt der frühe Vogel den Wurm: Leïla Ka wurde 1992 im Küstenort Saint-Nazaire geboren. Ihre Karriere als Tänzerin begann erst mit 16 Jahren – vergleichsweise spät in einer Welt, in der die Ausbildung meist schon im Kindesalter beginnt. Über Hip-Hop kam sie erstmals mit dieser Kunstform in Berührung, entdeckte schnell ihre Leidenschaft für den zeitgenössischen Tanz.
„Es gibt nicht nur einen Weg, um professionelle Tänzerin zu werden und eigene Choreografien zu entwickeln – es gibt viele verschiedene Wege, das zu schaffen“, sagt Leïla Ka über ihren unkonventionellen Ausbildungsweg und macht damit auch angehenden Tänzerinnen und Tänzern Mut. Ka überzeugte schließlich bei einem Vorsprechen die renommierte Choreografin Maguy Marin und wurde Teil ihres berühmten Stücks „MAY B“ (das heuer wieder bei ImPulsTanz zusehen war), bevor sie selbst zu choreografieren begann. „Als ich mich für das Vorsprechen beworben habe, wusste ich gar nicht, dass Maguy Marin eine so berühmte Choreografin ist“, gibt Leïla Ka schmunzelnd zu, „es war wirklich bereichernd für mich, mit ihr zu arbeiten“.
Allgegenwärtiges Thema
Auch mit ihrem eigenen Ensemble scheint die Zusammenarbeit bereichernd zu sein – tatsächlich hatten nämlich zwei der fünf Tänzerinnen für die laufende Tour nur sechs Tage Zeit, die äußerst komplexe Choreografie zu lernen. „Ich habe wirklich Glück mit ihnen – sie sind wunderbare, professionelle Tänzerinnen. Sie verstehen das Stück und tanzen es …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



