
Der neueste Hype aus Hollywood heißt „Backrooms“ und ist ein Horrorfilm, der direkt aus dem Internet kommt. Leere Büroräume, labyrinthische Gänge und flackerndes Neonlicht sind sein Markenzeichen und machten den gerade mal 20 Jahre alten Kane Parsons (exakt am Donnerstag wird er 21) zum jüngsten Regisseur, dessen Film direkt auf Platz eins der Kinocharts landete.
Bereits 2022 ging der YouTuber Kane Parsons – bekannt als Kane Pixels – mit seinen „The Backrooms“-Kurzfilmen im Netz viral. Im Windschatten seines Erfolgs spielte sein Kinodebüt „Backrooms“ weltweit knapp 250 Millionen US-Dollar ein und ist damit der kommerziell erfolgreichste Filmstart in der Unternehmensgeschichte seines hippen Produktionsstudios A24. Parsons setzt damit einen Trend, der sich auch in dem ebenfalls phänomenalen Erfolgslauf des Horrorfilms „Obsession – Du sollst mich lieben“ (Kinostart: 25. Juni) von Curry Barker abbildet: Junge YouTube-Content-Creator profitieren von ihren viralen YouTube-Wurzeln, übernehmen den Kinomarkt mit Low-Budget-Horror und sorgen für sensationelle Einspielergebnisse, vor allem im jüngeren Publikumssegment.
Hinterzimmer
Im Internet entstanden die „Backrooms“ – auf gut Deutsch: die Hinterzimmer – in einem Diskussionsstrang über die Suche nach „beunruhigenden Bildern“: Ein gelbstichiger leerer Bürogang mit flackernden Neonröhren wurde zum Inbegriff urbaner Unbehaglichkeit (und zum Kernszenario von Parsons viraler Webserie).
In genauso einen Raum stürzt der Protagonist von Parsons Kinohorror: Er heißt Clark – exzellent gespielt von dem Briten Chiwetel Ejiofor – und ist Besitzer eines grindigen Möbelhauses im kalifornischen Nirgendwo Anfang der 1990er-Jahre. Nachdem ihn seine Frau verlassen hat, sucht er Hilfe bei einer Therapeutin namens Mary Kline – mit feinnerviger Sensibilität gespielt von der norwegischen Star-Schauspielerin Renate Reinsve. Die Nächte verbringt Clark im Keller seines Geschäftes in Gesellschaft einer Whiskyflasche.
Eines Nachts geht das Licht aus. Auf der Suche nach der Ursache kippt Clark durch die Wand – im wahrsten Sinne des Wortes – und landet in einem labyrinthischen Paralleluniversum.
Schiefe Winkel
Auf den ersten Blick wirken die Räume vertraut, auf den zweiten Blick falsch. Leere Korridore in schiefen Winkeln münden in weitere Gänge, die – wie in einem Videospiel – steil hinauf und hinunter zu neuen Levels führen. Bürosessel und Tische sind zu bizarren Installationen getürmt, ein verkehrtes Stoppschild liest sich „Pots“ wie in einer surrealen Albtraumlandschaft. Beobachtet von einer lauernden Kamera, die mal in distanzierten Überwachungsmodus verfällt, dann wieder voyeuristisch nah heranrückt, stolpert Clark durch die Flure, begleitet von unheimlichen Geräuschen und monströsen Klängen. Auch Mary, auf der Suche nach ihrem Patienten, gerät in den Irrgang.
Menschenleer
Die gelblichen Gänge der „Backrooms“ sind Teil einer seelenlosen Industrielandschaft, wie wir sie von alltäglichen Durchgangsorten wie Korridoren, Treppenhäusern, Parkplätzen oder Flughäfen kennen. Verlassen von Menschen, bekommen diese „liminal spaces“ etwas hochgradig Unheimliches. Gekonnt nutzt Parsons den vertraut–verzerrten Treppenhausgrusel – Kubricks Hotelgänge aus „Shining“ lassen grüßen – als Showdown seines persönlichen Psychohorrors: In den neongelben Gängen trifft Clark auf verzerrte Versionen seiner selbst, die drohen, ihn zu vernichten. Das labyrinthische Geisterhaus wird so nicht nur zum Schauplatz zeitgenössischer Entfremdung, sondern manifestiert sich auch als eine innere Stadt der Angst.
INFO: USA 2026. USA/KAN 110 Min. Von Kane Parsons. Mit Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve.
Source:: Kurier.at – Kultur



