
Vielleicht hat Amata mit ihrem Namen nicht den besten Start ins Leben bekommen. War ihre Mutter doch nicht nur vom Grab des Großvaters inspiriert („beloved father“), sondern auch von Toni Morrisons „Beloved“. Den späteren Hinweis Amatas, dass in dem Roman die Tochter nicht nur getötet wird, sondern auch noch von der eigenen Mutter, ist nur eine Fußnote. Denn am Ende – eigentlich am Anfang – dieses Buchs ist ja nicht Amata tot, sondern ihr Chef Heinz Brockhaus. Amata hat ihn umgebracht. Eine schwarze Frau hat ihren weißen Chef in seinem Auto erwürgt. Und warum? Damit er endlich den Mund hält.
So ist die Kurzversion dieses ohnehin schmalen Romans. Aber natürlich steckt mehr dahinter. Und das erklärt Amata in drei Geständnissen, die mit jedem Mal etwas mehr in die Tiefe gehen.
Essen für Afrika
Amata arbeitet bei einer Organisation namens EFA: „Essen für Afrika“. Sie engagiert sich in einem Verein für die Benennung einer Straße nach dem 1925 geborenen schwarzen Deutschen Theodor Wonja Michael. Jedes Jahr trifft sie sich mit ihrer Mutter am 3. Mai am Timmendorfer Strand, um dort der 1945 versenkten Cap Arcona zu gedenken: Auf dem Schiff starben Tausende KZ-Häftlinge, ihr Großvater konnte sich retten.
Dahin fährt sie Brockhaus – den Gefallen hat er ihr aufgedrängt. So wie so viele Nettigkeiten dieses unentwegt plappernden Mannes, die sich – wenn nicht als Übergriffigkeit, dann doch als Doppelbödigkeit – entpuppen. Aber nichts, wofür man den Tod verdient. Oder?
Alltagszumutungen
Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo hat mit „So, in etwa, ist es geschehen“ eine flotte Beobachtung von Alltagszumutungen, denen nicht nur schwarze Frauen, aber vor allem diese, ausgesetzt sind, geschrieben. Wie viel sie von (Post-)Kolonialgeschichte, von verkrachten Familienverhältnissen bis zu Singlekomplexen auf den wenigen Seiten transportiert, und das auch noch mit Humor, ist lesenswert.
Source:: Kurier.at – Kultur



