Warum fünf Länder den 70. Song Contest boykottieren

Kultur

Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottieren heuer den Eurovision Song Contest (ESC) von Wien – aus Protest gegen die Teilnahme Israels. Ihre Kritik richtet sich vorrangig an das Vorgehen des Landes im Gazastreifen nach dem Überfall der Hamas. Die ablehnende Haltung gegenüber militärischer Gewalt hat in einigen dieser Länder jedoch auch historische und gesellschaftliche Wurzeln. 

Ein Überblick über die Nahost-Politik der fünf Länder:

Spanien

Spanien zählt seit dem Beginn des durch den Hamas-Großangriff auf Israel ausgelösten Gazakriegs zu den härtesten Kritikern der israelischen Regierung. Premierminister Pedro Sánchez wirft Israel einen Völkermord im Gazastreifen vor. Im Juni 2024 schloss sich Spanien als erstes europäisches Land dem von Südafrika angestrengten Völkermordverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) gegen Israel an. Zudem verhängte die Regierung in Madrid Sanktionen – u.a. Einreiseverbote gegen zwei rechtsextreme israelische Minister – und berief ihre Botschafterin in Tel Aviv ab.

Das Parlament in Madrid stimmte 2014 für die Anerkennung Palästinas als eigenständiger Staat, die Regierung unter Sánchez vollzog den Schritt 2024 offiziell. Weiters fordert Spanien gemeinsam mit Irland, Slowenien und den Niederlanden, das Handelsabkommen zwischen der EU und Israel – genannt Assoziierungsabkommen – aufzulösen. Zentral für ihre Argumentation ist die Menschenrechtsklausel (Artikel 2) des Abkommens, welche besagt, dass die Zusammenarbeit auf der Achtung der Menschenrechte und demokratischen Grundsätzen beruhe. Außerdem hat Spanien die Importe aus illegalen israelischen Siedlungen gestoppt.

Auch auf den US-israelischen Krieg mit dem Iran reagierte Spanien prompt: Innerhalb der ersten 24 Stunden des Krieges nannte Premier Sánchez die Angriffe eine Verletzung des internationalen Völkerrechts. Spanien verweigerte den USA infolge die Nutzung der Militärbasen Rota und Morón für Angriffe auf den Iran. „Wir sind ein souveräner Staat und wollen nicht an illegalen Kriegen beteiligt sein“, so Premier Sánchez in einer Ansprache vor dem Unterhaus des Parlaments im März. Die entschiedene Haltung der spanischen Regierung führte auch immer wieder zu diplomatischen Spannungen mit Israel und den USA. Im März dieses Jahres drohte US-Präsident Donald Trump Spanien mit einem Handelsembargo.

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Ein großer Teil der spanischen Bevölkerung verurteilt Israels Vorgehen im Gazastreifen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2025 warfen rund 80 Prozent der Befragten Israel Völkermord vor. Etwa 60 Prozent sprachen sich zudem für einen unabhängigen palästinensischen Staat aus. Im September vergangenen Jahres führten die teils gewaltsamen Proteste Zehntausender pro-palästinensischer Demonstranten zum Abbruch des Radrennens La Vuelta – das drittgrößte Etappenrennen der Welt. Die Proteste richteten sich gegen die Teilnahme des israelischen Radteams.

Die Anti-Kriegs-Haltung der Spanier ist stark von ihrer Geschichte geprägt. Besonders der Terroranschlag 2004 auf vier Pendlerzüge in Madrid durch Al-Kaida-Sympathisanten verstärkte die Ablehnung der Bevölkerung gegenüber Spaniens Beteiligung an internationalen Kriegen. Nach Massenprotesten zog Spanien 2004 seine Truppen aus dem Irak ab.

Irland

Auch Irlands pro-palästinensische Haltung wird zum Teil mit der eigenen Geschichte begründet. Große Teile Irlands befanden sich 800 Jahre lang unter englischer beziehungsweise britischer Herrschaft. „Wir erkennen unsere eigene Geschichte in ihren Augen“, meinte der 2024 zurückgetretene irische Premierminister Leo Varadkar. „Eine Geschichte von Vertreibung, Enteignung, infrage gestellter oder verweigerter nationaler Identität, gezwungene Emigration, Diskriminierung und jetzt auch Hunger.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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