ORF-Wahl: Wer sich aller beworben hat und wie die Chancen stehen

Kultur

Es war der erwartet spannende Schlusstag der Bewerbungsfrist für die ORF-Generaldirektion ab 1. Jänner 2027. Der startete zwar mit der Absage von Kurzzeit-ORF-Chefin Ingrid Thurnher für eine fünfjährige Amtszeit. 

Es wurde aber noch der Tag der Favoriten für den exponiertesten Medienjob des Landes.

Den Schlusspunkt setzte der frühere Unternehmensgründer und APA-CEO Clemens Pig. „Gerade in einer Zeit tiefgreifender technologischer, gesellschaftlicher und geopolitischer Veränderungen braucht Österreich einen starken, unabhängigen und zukunftsfähigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.“ Er wolle Verantwortung dafür übernehmen, „dass der ORF Vertrauen stärkt, Orientierung gibt und seine besondere Rolle im digitalen Zeitalter konsequent weiterentwickelt“, begründete Pig sein Antreten in einer Aussendung. Dafür geht der gebürtige Tiroler auch persönlich ins Risiko, weil er im Fall einer Niederlage nicht in die APA zurückkehren kann.

Pig: ORF „braucht Erneuerung mit Vertrauen und Vision“

Seine ORF-Agenda umfasst wirtschaftliche Stabilität und die Stärkung von Vertrauen, Publikum und öffentlich-rechtlichem Auftrag. Dazu kommen digitale Transformation inklusive KI, organisatorische Erneuerung samt transparenter, diskriminierungsfreier Unternehmenskultur sowie Kooperationen für die heimische Medienbranche. „Der ORF braucht keine Pose der Revolution, aber auch keine bloße Fortsetzung des Gewohnten“, so Pig: „Er braucht Erneuerung mit Vertrauen und Vision – und eine Führung, die entscheidet, erklärt, zuhört und umsetzt.“

Jährliche Einsparungen von 100 Millionen

Kurz vor ihm ging ein anderer Tiroler mit ganz anderem Ansatz an die Öffentlichkeit: US-Medienmanager Johannes Larcher verfügt über jahrzehntelange internationale Führungserfahrung, u. a. bei Warner Bros., HBO, Hulu und als früherer CEO von Storytel. Er betont in der Aussendung: „Meine Unabhängigkeit ist nicht nur ein Versprechen – sie ist meine Stärke. Ich stehe für einen ORF, der niemandem verpflichtet ist außer seinem Publikum und dem österreichischen Gemeinwohl.“

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Das Konzept des Streaming-Experten stützt sich auf fünf strategische Säulen: Zur Absicherung der redaktionellen Unabhängigkeit schlägt er eine eigenständige Informationsdirektion vor. Zudem plant er eine massive Aufwertung lokaler Inhalte sowie eine digitale Omni-Channel-Strategie, die ORF-Inhalte via ORF ON und auf Drittplattformen wie Tiktok ausbaut.

Angesichts rückläufiger Werbeeinnahmen sieht er Effizienz als Chance und kündigt jährliche Einsparungen von 100 Millionen Euro an durch eine schlankere Administration und KI-Einsatz. Er will Sonderverträge abschaffen und eine moderne Unternehmenskultur etablieren.

Gemeinsam mit Ex-ProSiebenSat.1-COO Markus Breitenecker bilden Pig und Larcher das Trio, aus dem, so die Erwartung der Medienbranche, der nächste ORF-Chef kommt. Eigentlich hätte man aber ein Quartett erwartet: kronehit-CEO Philipp König hat sich, obwohl viel über ihn und seine kurze Zeit als Jurist im Kabinett von Sebastian Kurz geschrieben wurde, aber nicht beworben.

Die Kür der ORF-Generaldirektion erfolgt am 11. Juni durch den 35-köpfigen Stiftungsrat. Große Bedeutung kommt diesmal den Hearings zu. Das erste veranstaltet das Neos Lab bereits am Dienstag, das auch für die Allgemeinheit gestreamt wird.

Großes Bewerberfeld

Ein Wörtchen mitreden will dort auch ORFIII-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz. Sie hat am Donnerstag mit einer knappen Aussendung den Hut in den Ring geworfen. „Mein Ziel ist ein moderner, effizienter und glaubwürdiger ORF, der seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag mit Qualität, Relevanz und Verantwortung erfüllt“, so Zierhut-Kunz, die als FPÖ-nahe gilt und zu den Spitzenverdienern gehört. Als Geschäftsführerin von ORF III kenne sie die Herausforderungen des Hauses aus operativer Verantwortung. Auch Journalistin Sonja Sagmeister, die mit dem ORF in arbeitsrechtlichen …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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