
Beim bislang letzten Begräbnis eines Obersten Führers der Islamischen Republik wäre dessen Leichnam fast in der Menschenmasse statt im Grab gelandet.
Ayatollah Ruhollah Khomeini war am 5. Juni 1989 kurzzeitig während einer Prozession am Friedhof aus seinem Sarg gefallen, so groß waren Andrang und Tumult. Mehr als zehn Millionen Menschen, damals ein Sechstel der iranischen Bevölkerung, nahmen an dem Trauerzug teil. Gläubige versuchten, Stücke des Leichentuchs abzureißen, in das der Ayatollah gewickelt war. Ein Hubschrauber musste den Leichnam bergen, die rituellen Vorbereitungen noch einmal getroffen werden. 10.000 Menschen wurden dabei verletzt, acht im Gedränge niedergetrampelt.
Es gilt nach wie vor als eines der größten Begräbnisse in der Geschichte. Zum Vergleich: Bei Prinzessin Diana war eine Million, bei Johannes Paul II. waren über drei Millionen Menschen auf den Straßen.
Damit ähnliche Tumulte und vor allem Bilder diesmal nicht stattfinden, unternimmt der Sicherheitsapparat des Regimes strenge Vorkehrungen: Mehr als 65.000 Sicherheitskräfte werden in den Großstädten, 200.000 weitere im Rest des Landes stationiert, heißt es von der staatlichen Nachrichtenagentur. Der Ablauf ist streng durchgetaktet, die Zugangskontrollen extrem streng.
Teilnahmepflicht für Beamte
Über vier Monate nach der Tötung des 86-Jährigen findet das Begräbnis von Ayatollah Ali Khamenei statt. Die Zeremonie war ursprünglich für Anfang März geplant gewesen, wurde wegen des anhaltenden Krieges aber verschoben. Der derzeit geltende Waffenstillstand ist zwar brüchig, die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA laufen, auch wenn nicht klar ist, ob sie langfristig zu Frieden führen. Dass das Regime das Begräbnis trotzdem abhält, ist auch ein Zeichen von Selbstbewusstsein. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass es in Absprache mit den USA, die zeitgleich ihren 250. Unabhängigkeitstag feiern, stattfindet – beide Seiten wollen die Gedenken ohne Raketen über die Bühne bringen.
Khamenei war dreimal so lange an der Macht wie der Revolutionsführer Khomeini, dessen Rekordbegräbnis überboten werden dürfte: Mehr als 20 Millionen Menschen, darunter Pilger aus anderen schiitischen Ländern wie dem Irak, Afghanistan oder Pakistan, werden erwartet. Nicht alle kommen freiwillig: Für iranische Staatsbedienstete besteht Teilnahmepflicht.
Auch Regierungsvertreter, unter anderem aus China, Belarus, dem Irak und Turkmenistan, sollen seit Freitag in Teheran sein, darunter der pakistanische Generalstabschef Asim Munir, den Donald Trump als seinen „Lieblingsfeldmarschall“ bezeichnet und der eine wesentliche Rolle bei den laufenden Verhandlungen spielt. In den iranischen Medien ist von Repräsentanten aus 100 Ländern die Rede.
Alle warten auf Modschtaba Khamenei
Sechs Tage wird die Zeremonie dauern. Aus Sicherheitsgründen wird der Iran für mehrere Tage seinen Luftraum sperren. Bevor Khamenei in seiner Heimatstadt Maschhad mit seinen bei dem Angriff umgekommenen Familienmitgliedern beerdigt wird, wird er von der Großmoschee Mosalla in Teheran in die Pilgerstadt Ghom – eine der heiligsten Städte, wo Khamenei wie viele andere religiöse Gelehrte studiert hat – und danach in den Irak gebracht. Riesige Porträts von Khamenei bedeckten die Fassade der Großen Mosalla, wo der Leichnam am Samstag öffentlich aufgebahrt wird. In Teheran werden diese drei Tage Gedenktage sein, die iranische Hauptstadt wird abgesehen von den trauernden Massen stillstehen: Das Regime hat angeordnet, dass Geschäfte geschlossen bleiben müssen und nicht gearbeitet werden darf.
Die große Frage ist, ob erstmals seit Khameneis Tötung dessen Sohn und Nachfolger, der erzkonservative und …read more
Source:: Kurier.at – Politik



