
Im chinesischen Pavillon der Venedig-Biennale fertigt derzeit ein humanoider Roboter kalligrafische Zeichnungen an.
Wer in China Kunst studieren will, muss sich aber weiterhin mit Kenntnissen im Malen und Zeichnen bewerben, erzählt Miao Ying. Die 1985 in Schanghai geborene, in New York lebende Künstlerin hat eine solche Ausbildung absolviert – und findet sich nun inmitten der Kluft zwischen dem Handwerk der Kunst und den dahingaloppierenden Möglichkeiten der Technik.
Wobei Miao den derzeitigen Status quo im Umgang der Menschheit mit Künstlicher Intelligenz mit dem Mittelalter vergleicht: Weil die Prozesse, die die Modelle durchlaufen, nicht wirklich durchschaubar sind, würde man ihnen mit einer Einstellung begegnen, die der KI die Eigenschaften von Magie zuschreibt, erklärt die Künstlerin.
Die Solo-Präsentation, die Miao nun bis 4. 10. im Souterrain des Belvedere 21 zeigt (ein Werk ist auch Teil der Sammlungspräsentation „Stellprobe“, bis 4. 10.) will der Verunsicherung gegenüber der KI Form verleihen. Der Titel „Come, Sit, Stay“ („Komm, Sitz, Platz“) ist von der Hundedressur inspiriert und drückt das Verlangen aus, das wilde Biest der Künstlichen Intelligenz zu „zähmen“.
Bissig
Zum „wie“ hat Miao freilich keine eindeutige Antwort parat. Einige ihrer Gemälde-Objekte sind buchstäblich mit Hundespielzeugen gefasst, die man aggressiven Kötern ins Maul steckt. Die knallbunten Bilder entspringen KI-Bildgeneratoren, wurden dann aber von Auftragsmalern auf Leinwand ausgeführt. Ihre „Autorschaft“ reklamiert Miao dann, indem sie die Gemälde traditionell mit einem Firnis überstreicht.
Eine Doppel-Videoprojektion, in der zwei KI-Modelle – im Hundekampf? – gegeneinander antreten, ergänzt die Präsentation, die ästhetisch nicht restlos einnimmt, aber doch die Oberflächen von KI–Bildern durchbricht: Dahinter brodelt es nämlich wie in einem Hexenkessel.
Source:: Kurier.at – Kultur



